Animation "Konferenz der Tiere" in 3D: Flucht vor der Ökokrise
VON STEFAN STOSCH - zuletzt aktualisiert: 07.10.2010 - 08:50(RP). Er ist der erste 3D-Animations-Langfilm aus Deutschland: "Konferenz der Tiere" nach dem Kinderbuchklassiker von Erich Kästner. Auf welchem Niveau die Animations-Experten hierzulande inzwischen arbeiten und was ihre Rechner leisten, verraten die Details, etwa die liebevolle Ausgestaltung der Tier- und Pflanzenwelt. Wild zitiert der Film die Trick-Geschichte von "Findet Nemo" (böser Hai!) bis "Chicken Run" (Hahn mit Führungsqualitäten!). Auch ein leicht debiler Tasmanischer Teufel, wie wir ihn schon aus Bugs-Bunny-Zeiten kennen, ist mit von der Partie. So viel Selbstbezüglichkeit ist in dem Genre nicht unüblich, zeigt aber, dass die Filmemacher auf Nummer sicher gehen wollten und genau auf populäre Produkte aus Hollywood geschaut haben.
Der eigentliche Held ist das Erdmännchen Billy (gesprochen vom Comedian Ralf Schmitz), das sich gewiss gut mit dem Faultier Sid aus "Ice Age" verstehen würde. An seine Seite gesellen sich bald das altersweise Galapagos-Schildkrötenpaar Winston und Winifred, das Känguru Toby und die Eisbärin Sushi. Sie alle sind Umweltflüchtlinge – und der Film ist damit womöglich aktueller, als es den Machern lieb sein kann: Ölkatastrophe und Flächenbrand spielen eine zentrale Rolle bei der Vertreibung der bunten Truppe nach Afrika. Dort sieht die Lage jedoch kaum besser aus. Erdmännchen Billy und den Neuankömmlingen droht wegen eines riesigen Staudammprojekts der Tod durch Verdursten. Der Fluss führt kein Wasser mehr.
Erich Kästner schrieb sein Buch 1949 unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges. Bei ihm wehrten sich die Tiere dagegen, dass die Menschen bei Friedenskonferenzen endlos palaverten und dann doch Kriege anzettelten. Nun zielt die Bedrohung aufs Ökologische ab (sogar ein vegetarischer Löwe, gesprochen von Thomas Fritsch, ist dabei) – und das in einem klar an Kinder gerichteten Werk.
Die eindeutige Adressierung unterscheidet "Konferenz der Tiere" von anderen 3D-Filmen, die zweigleisig fahren, um auch erwachsene Zuschauer bei der Stange zu halten. Hier ist das Süßliche, Bedächtige erst einmal gewöhnungsbedürftig. Das gilt auch für die aufdringliche Musik des US-Komponisten David Newman (tätig schon für "Ice Age") und Xavier Naidoos Titelsong "Wild vor Wut".
"Konferenz der Tiere" verfügt nicht über den Witz und trotz aller Konflikte nicht ganz über die Spannung einer gelungenen Hollywoodproduktion. Doch dürfte der Film Chancen auf ein großes, junges Publikum haben.
Bewertung: 2 von 5 Sternen
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