François Ozons erotischer Thriller "Swimming Pool"
zuletzt aktualisiert: 11.08.2003 - 10:19Sarah Morton ist privat eine frustrierte, als Autorin von Kriminalromanen aber sehr erfolgreiche Frau. Um neue Inspiration zu empfangen, wird die schmallippige Britin von ihrem Verleger nach Südfrankreich geschickt. Dort besitzt der Mächtige, der einst Sarahs Liebhaber war, ein schönes Landhaus in der Provence.
Dort hofft Sarah, nicht nur dem Londoner Regenwetter und ihrem alten Vater zu entfliehen, sondern auch jene innere Ruhe zu finden, die ein kreativ arbeitender Mensch nun einmal braucht. Aber alles kommt ganz anders. Was da an Überraschungen im sonnigen Süden auf die Mittfünfzigerin wartet, erzählt Frankreichs junger Regiestar François Ozon in seinem neuen Film "Swimming Pool", der am 14. August in die Kinos kommt. Ozon hat nach seinem Welterfolg mit "8 Frauen" wieder ein so genanntes kleines Werk, also mit wenigen Schauspielern und wenigen Schauplätzen. Doch was zu sehen ist, hat es in sich und ist Kino der Extraklasse. Daran entscheidend beteiligt ist die in ihren reiferen Jahren zu einer wunderbaren Charakterschauspielerin gewordenen Charlotte Rampling.
Die noch immer schlanke, noch immer unnahbar wirkende Engländerin würde mit ihrer Präsenz, die Ozon mit Großaufnahmen ihres streng-schönen Gesichts bestens in Szene zu setzen weiß, den Film allein dominieren - gäbe es da nicht die junge Ludivine Sagnier, die schon als Nesthäkchen in "8 Frauen" Furore gemacht hat. Nun ist die 24-jährige Französin in voller Schönheit zu erleben, wobei sie in einigen Nacktszenen Formen und Format zeigt. Sagnier spielt die 20-jährige Verlegerstochter Julie, die plötzlich in die Urlaubsidylle Sarah Mortons einbricht und dort ein erotisches Feuerwerk entfacht. Denn Julie schleppt Abend um Abend Männer ins Haus und verrichtet den Sex mit diesen provozierend lautstark.
Ozon hat bereits eine ganz eigene Kinosprache
Erst ist die prüde wirkende Autorin von diesem Benehmen entsetzt und befremdet, dann aber findet sie die Situation zunehmend reizvoller. Sie kommt mit Julie ins Gespräch, dazu findet sie Gefallen an einem feschen Franzosen, der im Dorfrestaurant serviert. Doch auch der gehört zur Galerie von Julies Gespielen, was nicht ohne dramatische Folgen bleibt. Das Filmende hält einige verblüffende Wendungen bereit, so viel sei verraten.
Ozon ist im Genre der oft so schlecht gemachten Erotikthriller ein kleines Meisterwerk gelungen, in dem neben den vorzüglichen Darstellern das titelgebende "Swimming Pool" eine ganz eigene Hauptrolle spielt. In den heißen Wochen des Tropensommers 2003 dürfte das ein zusätzlicher Anreiz zum Kinobesuch sein.
Aber Ozons Film hat ohnehin genug Qualitäten, um sein Publikum zu finden. Wie der bekennende Schwule Pedro Almodovar aus dem benachbarten Spanien hat auch der privat männlichen Partnern zuneigende Franzose eine traumhaft sichere Hand, Frauen in Szene zu setzen. Es ist ein Genuss, Ramplings Verwandlung von einer total frustierten in eine sexuell wieder erwachende Frau verfolgen zu können. Und die kecke Sagnier macht Ozon mit diesem Film zu einem Star, dem wir noch öfter begegnen werden.
"Swimming Pool" erinnert im Titel und auch in den Äußerlichkeiten des Schauplatzes an einen vor vielen Jahren gedrehten Film mit Romy Schneider und Alain Delon. Aber Ozon hat kein Remake im Sinn gehabt, sondern eine Geschichte, bei der sich melodramatische und erotische Momente elegant verbinden. Der 35-jährige Franzose ist ein großer Bewunderer von Rainer Werner Fassbinder. Aber schon jetzt hat Ozon eine ganz eigene Sprache auf der Leinwand gefunden. Sein neuer Film bestätigt das glanzvoll. Unsere Nachbarn können sich glücklich schätzen, einen solch hoffnungsvollen Meister der Kinokunst zu haben. Aber wir in dieser Beziehung etwas weniger glücklichen Deutschen profitieren gerne davon.
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