Kino-Kritik: Französisch für Anfänger: Ne me küsser pas!
zuletzt aktualisiert: 05.06.2006 - 10:33Mal eben auf die Champs-Elysées fahren, um dort ein Croissant und einen Café au lait zu sich zu nehmen? Auf die Idee kommen viele, aber nicht Hendrik. Denn der hasst Frankreich und alles, was damit zusammenhängt. Als er die schnuckelige Valérie kennenlernt, ändert sich sein Weltbild. Da kann der blöder Lehrer Nouvelleville noch so nerven...
Die süße Valerie, Hendriks heimlich Flamme, outet sich nach dessen Lästereien selbst als halbe Gallierin. Hendrik möchte seinen Fauxpas ausbügeln und meldet sich bei Valeries Frankreich-AG an, die den nächsten Schüleraustausch vorbereitet. Bald sitzt er mit seinem widerstrebenden Kumpel Johannes im Bus nach Frankreich, wo er - und das heißt hier nicht zu viel verraten - nach amourösen und kulturellen Missverständnissen und unterstützt von weinseligen Feten zugleich Valerie und auch "la douce France" näher kommt.
Müsli au vin rouge
Die deutsch-französischen Beziehungen sind eine so einzigartige Erfolgsgeschichte, dass sie längst zu grauem Alltag gereift ist. Die einstigen Erbfeinde legten im Großen mit der Montanunion nach dem Krieg den Grundstein zur EU, und im Kleinen brachten sie die Menschen mit einem Netz von "Jumelages", von Partnerschaften zwischen Dörfern und Städten, Gesangsvereinen und Schulklassen zueinander. Deshalb ist es eigentlich verwunderlich, dass dieser ununterbrochene Treck nach Südwesten, den zumindest viele Gymnasiasten schon einmal mitgemacht haben, erst jetzt filmisch gewürdigt wird.
Vielleicht liegt's daran, dass angesichts des Siegeszuges der Ami-Kultur bei der Schüler-Zielgruppe die "Grande Nation" nicht mehr so angesagt ist wie bis in die 80er Jahre hinein, als die Bläck Fööss noch ihr albernes "Fronkreisch, Fronkreisch"-Liedchen sangen. Und weil auch der Schüleraustausch traditionell mit dem Absingen von Chansons verbunden ist, bei dem frankophile Streber mit Gitarre einen auf Georges Brassens machen, empfindet Henrik das Ganze als extrem uncool. Schlimmer noch, der Stoffel kann kaum ein Wort Französisch, was zum Beispiel dazu führt, dass er Wein in sein Müsli kippt.
Education sentimentale
Das bleibt leider der einzige zündende Gag, den Regisseur Christian Ditter aus dem "Culture Clash" zwischen dem deutschen Schüler und seiner französischen, Ente fahrenden Gastfamilie zu basteln weiß. Dabei bräuchte Henriks "éducation sentimentale" dringend mehr Esprit, denn sein zarter Flirt mit Valerie wird schnell zäh. Angesichts der Avancen von gleich zwei Mädchen erweist sich das Milchgesicht Henrik jedoch als ebenso uncharmantes wie unglaubwürdiges Blümelein Rühr-mich-nicht-an und steuert nach vorhersehbaren Eifersüchteleien mit dem Bus in ein Happy End, dessen Konstruktion jeder Hollywood-Schmonzette zur Ehre gereicht hätte.
Und wo die Komödie netterweise auf Zoten à la "Her mit den kleinen Engländerinnen" verzichtet, wird andererseits nur zaghaft aus dem Komik-Potenzial der Mentalitätsunterschiede geschöpft. Vielleicht hatten die versammelten gallogermanischen Filmförderer (deshalb ist spielt die Geschichte auch in einer Dorfidylle bei Lyon, im Bannkreis der Filmförderung "Rhone-Alpes"), Angst vor pädagogisch bedenklicheren herberen Späßen. Und so gerät die Film-Jumelage trotz amüsanter Momente und sympathischer Darsteller so fad wie pasteurisierter Camembert. Gipfel der Verklemmtheit ist eine fürsorgliche Französin, die Henrik eine kurze Lektion in Nationalstolz gibt und ihn dann vernaschen will. Vielleicht ein Ansporn für kommende Klassenfahrten.
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