Kino-Kritik: Free Rainer: Flache Fernseh-Satire
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 15.11.2007„Hol’ dir das Superbaby“, so heißt reißerisch die jüngste Show des abgebrühten TV-Produzenten Rainer (Moritz Bleibtreu). Zwei Kandidaten mit „optimalem Erbgut“ haben vier Wochen lang Zeit, das perfekte Kind zu zeugen, natürlich vor laufender Kamera. Die Einschaltquoten schnellen in die Höhe, und wieder einmal hat der zynische, ständig koksende Fernsehmacher, der mit stupiden Showkonzepten Geld und Quote einheimst, alles richtig gemacht.
Das ändert sich, als ihm eine zornige Schönheit (Elsa Sophie Gambard) in die Fahrertür seines Cabrios rast, weil eine seiner Sendungen ihren Großvater in den Selbstmord getrieben hat. Nach diesem Zusammenprall beschließt Rainer, sein Leben zu ändern und fortan ausschließlich anspruchsvolle Formate zu produzieren. Als die floppen, nimmt er auf andere Weise den Kampf gegen schlechtes Fernsehen auf. Mit einem rebellischen Grüppchen von Arbeitslosen manipuliert er die Quoten.
Fortan fallen die Einschaltergebnisse der Schundsendungen in den Keller, während Fassbinder-Filme und Reportagen übers alte Ägypten Rekordwerte erreichen. Seit „Das weiße Rauschen“ und vor allem „Die fetten Jahre sind vorbei“ zählt der in Berlin lebende, gebürtige Österreicher Hans Weingartner zu jenen Filmemachern, auf die man hierzulande zurecht große Hoffnungen setzt.
Die kann er nun mit „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ leider nicht erfüllen, denn sein filmischer Guerilla-Feldzug gegen die quotenbesessene Fernsehwelt und die Glotze als Verdummungsinstrument mutiert zum zwar niedlichen, aber naiven Sommermärchen. Wenn hier irgendwann die Fernbedienung zum Hundeknochenersatz wird, die Satellitenschüssel spielenden Kindern als Ritterschild dient, und sich die Menschen zur kollektiven Buchlektüre auf sonnigen Parkwiesen treffen, sind das zwar charmante Utopien, aber als Grundierung einer bissigen Mediensatire taugen sie kaum.
Die Kapitalismuskritik in dem Film „Die fetten Jahre sind vorbei“, in dem eine Gruppe junger Revoluzzer einen Unternehmer kidnappte, funktionierte auch deshalb, weil Weingartner dort kluge Sätze unterbrachte, sich Zeit für die Entwicklung der Charaktere nahm und gekonnt Persönliches mit Politischem verband.
In „Free Rainer“, bei dem Weingartner als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion fungierte, werden einem die teils plumpen Pointen mit einer solchen Einfalt um die Ohren geschlagen, dass den Betrachter mitunter das Gefühl heimsucht, er säße in einer Klamotte.
Auch die Figuren sind allzu simpel gezeichnet. Dass sich der rücksichtslose TV-Macher über Nacht vom Saulus zum Paulus wandelt, wirkt ebenso unglaubwürdig wie der Rest der Belegschaft, deren stereotype Darstellung auch aus einer der kritisierten Vorabendserien stammen könnte.
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