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"Freunde fürs Leben"
Das Schweigen der Männer

"Freunde fürs Leben" – das Schweigen der Männer
Schauspieler Ricardo Darín mit einem Goya-Award. FOTO: afp, tg/bb/tg
Düsseldorf. Die wichtigen Sätze fallen in diesem Film quasi nebenbei. "Das Einzige, was im Leben zählt, sind Beziehungen", sagt Julián (Ricardo Darín) im Plauderton, während er neben seinem besten Freund Tomás (Javier Cámara) eine Straße in Madrid hinunter läuft. Tomás hört aufmerksam zu und sagt, wie fast die ganze Zeit, gar nichts. Schließlich nimmt eine zentrale Beziehung seines Lebens gerade Abschied von ihm. Von Renée Wieder

Zwei Männer, die sich mit ihren Gefühlen auseinandersetzen, so was kommt an. "Freunde fürs Leben" war der Publikumsliebling beim Toronto-Festival und gewann dazu zahlreiche Preise, unter anderem fünf Goyas. Eindringlich und melancholisch, oft aber auch überraschend heiter flicht die Tragikomödie zwei Dramen ineinander: die letzten Vorbereitungen eines sterbenden Mannes mit dem letzten Akt einer tiefen Männerfreundschaft.

Tomás und Julián haben sich Jahre nicht gesehen

Seit ihrer Jugend haben Tomás und Julián sich nicht mehr gesehen. Jetzt sind beide um die fünfzig, und Julián bittet Tomás für vier Tage zu sich nach Madrid, einfach weil er ihn braucht. Es gibt viel zu tun: die nutzlose Chemo abbrechen, den Job kündigen, eine Urne aussuchen, dem Sohn die Wahrheit sagen. Vor allem aber müht sich Julián, einen neuen Besitzer für seinen Hund Truman zu finden. Genau genommen ist ihm das Schicksal des Tiers wichtiger als das eigene.

Von all dem erzählt der Spanier Cesc Gay (Kràmpack") erfrischend geradlinig, und seine zwei grandiosen Stars tragen den Film für ihn. Das unaufgeregte Spiel des spanischen Almodóvar-Stammspielers Cámara mit dem Argentinier Ricardo Darín wühlt sich einem tiefer ins Herz als große Gesten und dicke Tränen. Diskutiert wird nur das Nötigste, und lieber am Handy als Auge in Auge. Tränen fließen höchstens heimlich, während Juliáns Husten, plötzliche Schmerzen und einmal sogar eine durchnässte Hose deutlich machen, dass manche Dinge gerade überflüssig werden und andere unaufschiebbar.

"Freunde fürs Leben" handelt vom Kassensturz an der Ziellinie des Lebens und davon, dass es sich lohnt, Rechnungen zu begleichen. Am Ende ist man erstaunt, wie wenig ausgesprochen wurde, und ergriffen, dass trotzdem alles gesagt ist. Und das letzte Wort hat, wie wunderbar passend, der sprachlose Tomás.

Freunde fürs Leben, Frankreich 2015 - Regie: Cesc Gay. Mit Ricardo Darín, Javier Cámara. 106 Min.

Quelle: RP
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