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Kino-Kritik: Fröhliche Filmpiraterie

VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 03.04.2008 - 10:00

Düsseldorf (RP). Alles wird so detailverliebt erzählt, als ginge es um eine ganz realistische Geschichte, und dient doch nur der Beglaubigung höchst märchenhafter Ereignisse. So verwendet Michel Gondry, der Regisseur und Drehbuchautor, beträchtliche Zeit auf die Erklärung, wie der verrückte Jerry zu einem wandelnden Elektromagneten wird und in der Videothek, in der sein Freund Mike arbeitet, durch seine bloße Nähe alle Video-Bänder löscht.

Tauchen in die Welt des Films ab: Jack Black (rechts) und Mos Def.  Foto: Senator
Tauchen in die Welt des Films ab: Jack Black (rechts) und Mos Def. Foto: Senator

Dann erscheint die eigenwillige Stammkundin Mrs. Falewicz in Gestalt von Mia Farrow, der unvergesslichen Liebhaberin verstaubter Trivialfilme aus Woody Allens „Purple Rose of Cairo“. Sie besteht darauf, dass sie endlich den Film „Ghostbusters“ kennen lernen muss – heute Abend noch! Da lässt sich Mike auf Jerrys Idee ein, mit einer Videokamera schnell eine Neufassung der „Ghostbusters“ zu drehen. Mit Staubsaugern als Laserwaffen, Alufolien als Schutzanzügen und einer genial einfachen Besetzung: „Ich bin Bill Murray, und du spielst alle anderen!“

„Ghostbusters“ bleibt die einzige Heimwerker-Fassung, die Michel Gondry länger ausmalt. Je mehr die Begeisterung von Mrs. Falewicz für die verkürzten Nachschöpfungen verblichener Hollywood-Erfolge die ganze Nachbarschaft ansteckt, je länger die Warteschlangen vor der schäbigen kleinen Videothek „Be Kind, Rewind“ werden und Mike und Jerry zur schnellen Erweiterung ihres Angebots nötigen, desto knapper werden die Nachspiel- Proben einstiger Kinohits angerissen.

„Abgedreht“ beschränkt sich auf das ironische Spiel mit Filmen, die zu alt sind, um noch modern zu sein, und zu jung, um bereits die Aura von Klassikern zu haben. Es sind Unterhaltungsfilme wie „Rush Hour“, „Robocop“ und „Men in Black“, deren Actionszenen und Computertricks in ihrer plumpen Nachahmung erheitern, weil sie zugleich den Eindruck vermitteln, dadurch gehe durchaus nichts Wesentliches verloren.

Nur selten werden anspruchsvollere Werke veralbert wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ oder „Boyz N the Hood“. Wenn sich Mrs. Falewicz „eine unkritische Neufassung“ von „Driving Miss Daisy“ wünscht, kommt es prompt zu einem Eklat: Jerry, ganz betrunken von seinen Verwandlungskünsten – schließlich hat er auch schon den Chinesen Jackie Chan mit viel Grimassieren erfolgreich gemimt – will den schwarzen Chauffeur mit schwarz bemaltem Gesicht spielen. Doch diese „Blackface“- Nummer erntet peinliches Befremden.

So versetzt Michel Gondry, der Regisseur, seinem Lieblingsdarsteller Jack Black einen heilsamen Dämpfer. Denn Black spielt den Jerry mit einer hemmungslosen Lust an Übertreibungen, die nur durch die Zurückhaltung des Rappers Mos Def in der Rolle seines Partners Mike erträglich bleibt.

Mos Def ist ein so liebenswürdiger Sonderling wie sein Chef, der Ladenbesitzer Mister Fletcher (Danny Glover), der sich so gründlich von der modernen Welt abschottet, dass ihm die Umstellung von VHS-Kassetten auf DVDs im Videotheken- Geschäft glatt entgangen ist.

So etwas kann nur in einem dieser verwunschenen Provinzstädtchen in New Jersey passieren, jenem Inselstaat im Schatten New Yorks, in dem sich in den letzten Jahren immer häufiger die wundersamsten Geschichten der „Independents“ ereignen, der unabhängig von Hollywood arbeitenden Filmemacher. Da gibt es auch noch märchenhaften Gemeinschaftsgeist.

Die Kunden von „Be Kind, Rewind“ (Sei nett und spul das Band zurück) reagieren auf den Schwindel von Jerry und Mike, die zunächst ihre neuen Filmfassungen als teure Importwaren verkaufen, keineswegs verärgert, sondern mit dem Wunsch, sich selbst an der Produktion zu beteiligen. Auch das Auftauchen von Sigourney Weaver als eiskalte Anwältin aus Hollywood, die diese fröhliche Filmpiraterie mit Dampfwalzen-Einsatz stoppen will, bringt sie nicht aus der Fassung.

Jetzt imitieren sie sogar historische Filmkunst, um das bescheidene alte Haus des Videothek-Besitzers zu einem Denkmal zu verklären und damit vor dem Abriss zu retten.


 
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