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Fortsetzung des Kinohits "Men in Black": Fußlahme Alien-Jagd

zuletzt aktualisiert: 15.07.2002 - 09:49

Frankfurt/Main (rpo). Nur selten ist die Fortsetzung besser als das Original. Das gilt auch für die erneute Alienjagd der "Men In Black". Mehr Special-Effects und mehr Sex machen den zweiten Teil nicht besser als den ersten. Dementsprechend dünn und teilweise unverständlich ist die 88 Minuten kurze Handlung.

Auch in den USA steht man meist Schlange am Postschalter - so zeigt es uns jedenfalls die am 18. Juli anlaufende Actionkomödie "Men in Black 2". Und sie liefert für dieses Phänomen eine unorthodoxe Erklärung: Die gemächlich hinter dem Schalter herumtrödelnden Postler sind Aliens. So mag man sie am liebsten, die Gags in "Men in Black", - wenn sie Alltägliches aus einer absurden Perspektive betrachten nach dem Motto: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde...

Der Film fragt nicht mehr, was wäre, wenn Außerirdische auf die Erde kämen, denn "sie", die Marsmännchen, Mutanten und Monster aus dem All, sind längst da. Der Paranoiker-Albtraum ist zumindest im Film banale Realität geworden, - wenn auch von den meisten Menschen unbemerkt. Dafür sorgt die Gedächtnis-Auslösch-Pistole der "Men in Black", Agenten einer supergeheimen Regierungsbehörde, welche die außerirdischen Emigranten in Schach halten müssen.

Ja, auch Michael Jackson und Elvis Presley sind Aliens

Und es fällt einem wie Schuppen von den Augen: Auch Michael Jackson, Elvis Presley und des Nachbars durchgedrehte Katze sind Aliens. Und deshalb ist auch das Blümchen, das aus einem New Yorker U-Bahn-Schacht wächst, kein Grund, romantische Gefühle zu entwickeln: Agent Jay erkennt in dem bescheidenen Gewächs die Spitze eines einst aus dem All gekommenen Wurmwesens namens Jeff, das verbotenerweise den Untergrund verlassen will.

Dass sich Jeff als ekliges, sich durch die U-Bahn-Schächte windendes Monster entpuppt, das einen Waggon samt Insassen fressen will und von Agent Jay (Will Smith) mit lässiger Geste vertrieben wird, an solche Szenen ist man seit dem ersten "Men in Black"-Film gewöhnt. Leider, denn würde man den Megahit aus dem Jahre 1997 nicht kennen, so wäre seine Fortsetzung wohl lustiger. So aber sieht man genau das, was der Filmuntertitel verspricht: anderer Abschaum, derselbe Planet.

Weniger Geist und weniger treffsichere Pointen

Verglichen mit den aktuellen Aliens, die wie Abfall aus der Special-Effects-Schmiede von "Star Wars" aussehen, verriet aber der intergalaktische "Abschaum" des ersten Films deutlich mehr Kreativität. Die nun präsentierte Nummernrevue von schrägen und schleimigen Aliens in mehr oder weniger gelungener menschlicher, tierischer oder vegetabiler Tarnung löst zu oft nur Schulterzucken aus. Versteckte sich im ersten Film eine außerirdische Riesenkakerlake im Körper eines Farmers, so inkarniert sich der aktuelle extraterrestrische Terrorist nun, makellos, im Körper eines sexy Unterwäschemodels (Lara Flynn Boyle).

Weniger Geist und weniger treffsichere Pointen - auch Regisseur Barry Sonnenfeld, ein origineller Kopf, tappt in diese typische Falle von Fortsetzungen großer Erfolge. Dementsprechend dünn und teilweise unverständlich ist die 88 Minuten kurze Handlung: Agent Jay muss seinen alten Kumpel Kay (Tommy Lee Jones) wieder reaktivieren, der seit seiner durch die Gedächtnis-Pistole ausgelösten Amnesie als Postbeamter wirkt. Serleena, das außerirdische Dessous-Biest, ist auf der Suche nach einem nicht näher definierten Super-Licht, das von Agent Kay einst auf der Erde versteckt wurde.

Irrwitzige Momente trotz Ermüdungserscheinungen

Dann gibt es noch eine niedliche Pizzabäckerin (Rosario Dawson), in die Jay sich verliebt und die mehr weiß als sie selbst. Zwischen dem quirligen Jay und dem staubtrockenen Kay stimmt die Chemie noch immer, und auch die schwarzen Ray-Ban-Sonnenbrillen stehen ihnen gut. Was aber fehlt, ist heutzutage leider die Unbefangenheit beim Betrachten mancher der genau genommen politisch höchst unkorrekt gezeichneten Extraterrestrischen, die eine offensichtliche Parodie auf Menschen aus anderen Kulturkreisen mit merkwürdigen Sitten sind.

Und manch distanzierter, ironisch amüsierter Spott über die Alien-"Sleepers", ihr Austricksen der Alien-Einreise-Behörde und ihre Umtriebe in New York, ist nach den Ereignissen des 11. Septembers nur mit leichter Beklemmung zu genießen. Dennoch sorgt die Alien-Parallelwelt mitten unter uns für einige zündende Witze. Großartig beispielsweise ist die Miniaturwelt in einem Schließfach, in der ein haariges kleines Wesen mit Hirtenstab und seine ebenso haarigen Jünger jahrelang Kays Uhr bewacht haben, um sie ihm bei Türöffnung mit biblischen Lobpreisungen zu übergeben.

Wegen solcher irrwitziger Momente hält man den "Men in Black" trotz ihrer offensichtlichen Ermüdungserscheinungen die Daumen, dass sie eine eventuelle dritte Fortsetzung durchhalten. Wer weiß, welche Ungeheuer sie noch zum Vorschein bringen.


 
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