Science-Fiction "Moon" von David Bowies Sohn Duncan Jones: Ganz allein auf dem Mond
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010 - 15:23(RP). Er ist so kurz vor dem Ziel. Zwei Wochen noch, dann darf Sam Bell die Raumstation auf dem Mond verlassen, auf der er drei Jahre lang gearbeitet hat. Ganz allein. Für den Konzern "Lunar" kontrolliert er dort zwei riesige Bagger, die Helium-3 abbauen, einen Rohstoff, der auf der Erde saubere Energiegewinnung ermöglicht.
Ein Leben ohne Abgase, ohne Umweltzerstörung – für diesen Traum und entsprechende Bezahlung ist Sam bereit, die Einsamkeit auf seiner Raumstation auszuhalten. Außerdem ist da noch Gerty, der Roboter der Station, mit dem man sich unterhalten kann. Wenn schon kein Mensch da ist.
Ein Mann und eine Maschine in der unendlichen Einsamkeit des Weltalls – natürlich erinnert diese Konstellation an Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum", und es gibt noch andere Zitate in "Moon", die aus Science-Fiction-Klassikern stammen, etwa das Spiel mit Wahrnehmungsirritationen aus "Solaris". Das Erstaunliche ist, dass der Debütfilm von Duncan Jones diese Vergleiche nicht scheuen muss. Zwar ist "Moon" kein gewaltiges Epos wie die Odyssee, sondern ein Kammerspiel, ganz auf die Hauptfigur konzentriert. Aber es geht darin auch um große Fragen. Etwa die, was die Einzigartigkeit eines Menschen ausmacht.
Auf den Spuren von Kubricks "2001"
Denn obwohl er es doch bald geschafft hat, erlebt Sam plötzlich seltsame Halluzinationen, baut einen Unfall mit Folgen, die seinen gesamten Aufenthalt auf der Raumstation in ein neues Licht rücken und Fragen nach seiner Identität aufwerfen. Eine kluge Geschichte entwickelt Duncan da, mit intelligenten Wendungen und einem überzeugenden Schluss. Und so führt er vor, welche Möglichkeiten das Science-Fiction-Genre bietet, wenn man es nicht nur als Aufforderung zu technikverliebtem Bildbombast und gewaltigem Geballer versteht. Dieser mit Minimalbudget von fünf Millionen Dollar gedrehte Film braucht keine aufwendige Ausstattung, um zu fesseln. Er überzeugt durch die Geschichte, die kongeniale Musik von Clint Mansell und die Leistung von Darsteller Sam Rockwell. Der kann die Einsamkeit des Astronauten fühlbar machen, wenn er lakonisch mit dem Bordcomputer witzelt und stundenlang an Modellhäuschen bastelt, um nicht durchzudrehen.
Mit kühler Souveränität nutzt Duncan die Vorgaben des Sci-Fi-Genres, erzeugt Spannung, indem er die Isoliertheit im menschenfeindlichen All vorführt. Und nutzt diese Stimmung, um konzentriert zu zeigen, was der Mensch zu verlieren hat, wenn er sich ganz der Logik wirtschaftlicher Effizienz verschreibt: nichts weniger als das Menschsein.
Duncan Jones ist der Sohn des britischen Musikers David Bowie. Auch der hat sich einst von "2001" inspirieren lassen und schrieb das Lied von Major Tom, der sich ganz seinem Raumschiff anvertraut und im All verloren geht. Aus der Ferne betrachtet er den blauen Planeten, hilflos, weggedriftet, er kann nichts mehr tun. Damit gibt sich Bowies Sohn nicht zufrieden.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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