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Schwächelnde Comicverfilmung: Garfield: Fett, faul und gar nicht "filosofisch"

zuletzt aktualisiert: 16.08.2004 - 10:20

Er ist eigentlich ziemlich unsympatisch: Gefräßig, feige, unendlich faul und ziemlich fett. Dennoch schlich sich Garfield schon vor 25 Jahren in die Herzen seiner Fans. Keine Verträge mit gar nichts hatte der gelbe Kater, wenn es um das Verspeisen der nächsten Lasagne ging, sonst sah er fern. Nun wurde die Geschichte des Frechdachses auf vier Pfoten verfilmt, mit lebenden Darstellern zwischen dem animierten Viech.

Der dickfellige rote Stubentiger ist per Computeranimation auf XXL-Format aufgepolstert worden und hat wie in den Comic-Zeichnungen riesige, leicht schielende Glubschaugen. Das ist ganz nett anzusehen, wenn ihm auch seine tierischen Freunde durch authentische Kuscheligkeit fast die Show stehlen. Doch der fette Kater ist der ungekrönte Herrscher seines Viertels, kommandiert seine Katzenkumpel herum, organisiert sich beim Milchmann ein zweites Frühstück, piesackt die benachbarte Dogge, stiebitzt Lasagne und zappt sich durchs Fernsehprogramm, um wie stets bei einer Katzenfutter-Werbeshow zu landen.

Damit sind bereits in der ersten halben Stunde des Films die wesentlichen Beschäftigungen des selbstzufriedenen Faultiers abgehakt. Die Geschichte kommt ein wenig auf Trab, als Garfields menschlicher "Dosenöffner", Junggeselle Jon, sich von seinem Schwarm, Tierärztin Liz, einen Dackelwelpen aufschwatzen lässt. Odie besetzt Garfields Lieblingssessel, schnüffelt aufdringlich an ihm 'rum, macht Männchen, und benimmt sich überhaupt so doof wie alle Hunde.

Und er darf Jons Bett teilen - der ultimative Affront, den Egomane Garfield nicht auf sich sitzen lässt. Er vertreibt das Hündchen aus seinem Schlaraffenland, bekommt dann aber doch Gewissensbisse und muss Odie aus den Händen eines Dognappers befreien. Diese einfältige Mär, deren menschliche Mitspieler überdies so blass sind wie ein Schluck Wasser in der Kurve, ist sichtlich auf kleinere Kinder zugeschnitten.

Regisseur Peter Hewitt, der 1997 mit "Die Borger" einen weit inspirierteren Kinderfilm gedreht hat, gibt noch nicht mal die Mühe, wenigstens gröbste Logik-Lücken auszumerzen. Wieso etwa kann Odie als einziges Tier nicht reden? Und wo die unbeholfene Computeranimation, die Garfield zur Behäbigkeit verurteilt, kleinen Zuschauern vielleicht sogar besser zupass kommt als die sonst üblich gewordene Hektik in Kinderfilmen, da fehlt es dennoch an allen Ecken und Enden an Witz.

Gottschalk trifft nicht den richtigen Ton

Jene selbstironische Szene, in der dieser herablassende Lasagne-Junkie sich auf traditionelle Katzenpflichten besinnt und zum Schein eine Maus frisst, bleibt die große Ausnahme. Es mangelt nicht nur an Katzenslapstick, wie ihn jeder tatsächliche Katzenbesitzer täglich beobachten kann, sondern es gibt auch zu wenig jener zündenden sarkastischen Bemerkungen, mit denen im Comic-Strip der selbstherrliche Stubentiger sein sinnfreies Dasein verteidigt.

Damit entfällt zumindest für erwachsene Zuschauer die größte Garfield-Attraktion, - so dass man angesichts der geballten Harmlosigkeit wegdösen möchte wie Garfield selbst. Wäre da nicht seine Stimme mit dem unangenehm nöligen Tonfall, die an den Nerven zerrt: Thomas Gottschalk als prominente Garfield-Synchronstimme hält der Verleih wahrscheinlich für einen Besetzungscoup, doch Gottschalks aufgesetzt flapsige Redeweise mit einem überzogen verächtlichen Unterton ist das größte Problem dieses Kinderfilms. Wenn Garfield alles so ätzend findet, wie die Stimme suggeriert, warum steht er dann überhaupt auf aus seinem Sessel?

Und man schaut einmal mehr neidisch in die USA, wo die nuancierte Garfield-Stimme Bill Murray ("Lost in Translation") als der größte Vorteil des lauen Films gilt und wohl ein paar zusätzliche Lacher produziert. Ein wahrer (Katzen-)Jammer.

Futtern und Fernsehen sind des frechen Katers liebste Beschäftigung.  Foto: RPO
Futtern und Fernsehen sind des frechen Katers liebste Beschäftigung. Foto: RPO
Quelle: ap

 
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