Migranten-Drama "La Misma Luna": Gefährliche Flucht zur Mama
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 09.07.2009 - 02:32(RP).Es ist rührend, wenn der neunjährige Carlos (Adrián Alonso) jeden Sonntag um Punkt zehn Uhr vormittags erwartungsvoll auf das Klingeln des einzigen Telefons im Dorf wartet. Denn nur an diesem Tag kann der bei seiner Oma in Mexiko wohnende Junge mit seiner Mutter Rosario (Kate del Castillo) sprechen, die seit vielen Jahren illegal im fernen Los Angeles lebt und sich dort ohne Papiere als Putzfrau oder Kindermädchen durchschlägt.
Weinend fragt Carlos stets, wann sie zu ihm zurückkehrt, und jedes Mal tröstet Rosario ihren Sohn mit den Worten, dass sie denselben Mond sehen, wenn sie nachts aus dem Fenster schauen.
Beachtliche Darsteller-Leistung
Als seine Oma stirbt, beschließt der Junge, sich auf die gefährliche Reise über die amerikanisch-mexikanische Grenze nach Los Angeles zu machen, ohne zu wissen, dass seine Mutter zeitgleich ihre Rückkehr plant. In ihrem Spielfilmdebüt "La misma luna" greift die in Mexiko geborene, preisgekrönte Doku-Regisseurin Patricia Riggen ("Family Portrait") Einzelschicksale auf, um die Probleme illegaler Immigranten aufzuzeigen. Doch ihr Versuch, soziale Missstände realistisch darzustellen und dabei ständig einen optimistischen Grundton beizubehalten, will nicht so recht gelingen. Zu märchenhaft kommt ihre Mutter-Sohn-Geschichte daher, ja zuweilen konstruiert und klischeehaft. Und wenn der Junge auf seiner beschwerlichen Odyssee immer wieder auf selbstlose Charaktere trifft, die wie aus dem Nichts auftauchen und ihn aus brenzligen Situationen mit Grenzpatrouillen, Menschenhändlern oder Wegelagerern retten, wirkt das denn doch etwas zu viel des Guten.
Dass der Film, der im Grunde alle Register eines manipulativen, auf die Tränendrüse drückenden Hollywood-Rührstücks zieht, trotzdem funktioniert, liegt zum einen an Riggens übersichtlicher Regie, die alle Handlungsstränge gekonnt miteinander verknüpft, und zum anderen an den Darstellern, die ihre Rollen herzergreifend ausfüllen. Vor allem der 13-jährige Adrián Alonso, den man als Söhnchen von Antonio Banderas aus "Die Legende des Zorro" kennt, zeigt eine beachtliche Schauspielleistung, weil er mit erstaunlicher Leichtigkeit die emotionalen Regungen seiner Figur verkörpert.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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