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"Chloe" mit Amanda Seyfried: Gefährliche Liebschaften

VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 22.04.2010 - 11:56

(RP). In "Chloe" spielt Julianne Moore eine eifersüchtige Ehefrau, die ein Callgirl engagiert, um ihren Mann auf die Probe zu stellen. Doch dann verliebt sich die engagierte Verführerin in ihre Auftraggeberin. Eine Dreiecksgeschichte, die sich zum packenden Thriller entwickelt.

Diesmal marschiert Catherine, die eifersüchtige Ehefrau, nicht kühn in ein Bordell, um eine Verführerin für ihren Mann zu engagieren, sie nutzt vielmehr den neutralen Rahmen eines Restaurants, um mit einem Callgirl ins Gespräch zu kommen. Es sind zunächst nur Äußerlichkeiten, die diese kanadische "Chloe" vom französischen Original "Nathalie" unterscheiden. Doch sie summieren sich zu einem ganz anderen Stil – passend zum veränderten Charakter der beiden Hauptfiguren.

In Anne Fontaines "Nathalie" (2004) ist Fanny Ardant als Ehefrau eine selbstbewusste Großbürgerin, die ihr spöttisches Lächeln fast nie verliert, und Emmanuelle Béart eine üppige Hure, deren Augen umso kälter strahlen, je mehr sie sich ins Vertrauen dieser spendablen Kundin einschmeichelt. In "Chloe" dagegen treffen sich mit Julianne Moore und Amanda Seyfried zwei Frauen, die elfenhaft zerbrechlich wirken. Sie schlüpfen in ihre erotischen Rollenspiele nicht mit der Lässigkeit effektsicherer Stars, sondern mit der Heftigkeit von Menschen, die alles auf eine Karte setzen. Da gibt es keine Spur vom roten Plüsch und sanften Schummerlicht aus Nathalies Pariser Bordell, sondern nur Räume, die in den kühlen Farben eines betont modernen Designs leuchten. Selbst die Straßenszenen baden in architektonischen Kostproben urbaner Eleganz.

Glamouröses Toronto

Der Produzent Ivan Reitman und der Regisseur Atom Egoyan haben ein bisschen übertrieben mit ihrem Ehrgeiz, ihre Heimatstadt Toronto einmal nicht – wie in so vielen amerikanischen Produktionen – zu billigen Ersatzkulissen für Chicago oder New York zu verwischen, sondern als eine Metropole von eigenem Rang zu profilieren: Dieses Toronto ist eine einzige Luxusinsel – und ein höchst effektvolles Labor für eine verwegene Versuchsanordnung.

Julianne Moore ist eine Catherine, die nicht aus einer frivolen Laune heraus handelt, wenn sie eine Prostituierte dafür bezahlt, ihren Mann zu verführen und über die Schäferstunden zu berichten. Sie wirkt nicht nur vereinsamt in der kühlen Villa, in der sie von ihrem Teenager-Sohn ignoriert wird beim Warten auf ihren Mann David (Liam Neeson), der recht sorglos sein Handy mit der Liebesbekundung einer Studentin herumliegen lässt, wenn er wieder einmal verspätet von einer auswärtigen Vorlesung zurückkehrt. Sie wirkt bis zur Verzweiflung angespannt, wenn sie als Frauenärztin einer Patientin mit allzu kühler Sachlichkeit sexuelle Phobien auszureden versucht und wenige Stunden später in einem Restaurant aufgeregt ergründen will, ob der Umgang ihres Mannes mit einer hübschen Kellnerin nur Freundlichkeit oder einen heftigen Flirt bedeutet.

Engel mit Eisaugen

In dem engelhaft kühlen, ganz geschäftsmäßig agierenden Callgirl Chloe glaubt sie das richtige Instrument gefunden zu haben, um wieder Kontrolle zu gewinnen über ihren Mann, um sich zu wehren gegen das Aufgehen in der erotischen Unsichtbarkeit einer nicht mehr jungen Frau.

Regelmäßig trifft sich also diese Chloe mit Catherine, um detailreich die sexuellen Spiele mit Ehemann David zu schildern, die erfunden sein mögen oder auch nicht, und Julianne Moore spiegelt alle Nuancen einer gierigen, zugleich faszinierten und verstörten Zuhörerin. Bis dahin ist ganz klar, warum ein Regisseur wie Atom Egoyan, dieser Meister des Jonglierens mit Einbildung und Realität, mit Verführung und Verweigerung, sich hier zum ersten Mal darauf einließ, ein Drehbuch zu verfilmen, das er nicht selbst geschrieben hat. Aber als Chloe soll Amanda Seyfried auch zeigen, dass sie sich vom Teenager-Star zum ausgewachsenen Vamp entwickelt hat: Die junge Frau verliebt sich leidenschaftlich in die scheinbar selbstsichere, elegante Ältere, und das führt zu so eindeutigem Sex, als hätten den Regisseur alle Künste eines die Fantasie beflügelnden Andeutens verlassen. "Chloe" verwandelt sich vom raffinierten Vexierspiel zum wuchtigen Thriller: Catherine wird für ihren amoralischen Versuch einer Ehe-Therapie mit allen Teufeleien einer Amour fou bestraft – so puritanisch unerbittlich, wie es sich nur erwarten lässt beim Verpflanzen französischer Sittenlosigkeit nach Amerika.

Quelle: RP

 
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