Am Ende werden alle glücklich: "Gelegenheit macht Liebe" - Brave Komödie ohne Überraschungen
zuletzt aktualisiert: 24.06.2003 - 09:36Hamburg (rpo). Dumm gelaufen. Da wacht der biedere Paul (ein blasser Jason Lee) nach seinem letzten feuchtfröhlichen Junggesellenabend in seiner eigenen Wohnung neben einer fremden Frau auf. Es dauert etwas, bis bei Paul der Groschen fällt.
Ach ja, die süße Blondine Becky (Julia Stiles), die da neben ihm im Bett liegt und kichert, hat als charmantes Hula-Mädchen mit Blumenkette dem steifen Herrenabend stimmungsmäßig auf die Sprünge geholfen. Mit durchschlagendem Erfolg, wie man sieht.
Mit dieser gelungenen Überraschung am Morgen beginnt die in der Folge sehr vorhersehbare Komödie "Gelegenheit macht Liebe" des amerikanischen Regisseurs Chris Koch, der zuletzt mit der Pennäler- Klamotte "Schneefrei" (2001) hervorgetreten ist. Es dreht sich hier wieder einmal alles um den vermeintlich turbulenten Hindernislauf bis hin zum Traualtar. Bis sich die Richtigen gefunden haben, vergeben 106 zunehmend zähe Minuten.
So wenig originell wie der dröge deutsche Verleihtitel dieser Komödie (der auch nicht viel bessere amerikanische Originaltitel lautet: "A Guy Thing") kommt die Geschichte in Gang. Schwiegermutti ruft an, während Paul noch mit seiner neuen Bekannten in den Laken liegt. Kurz danach stattet ihm dann Karen (Selma Blair), seine Braut in spe, einen Besuch ab. Die Zukünftige stammt aus gutem Hause, ist furchtbar seriös, verantwortungsvoll und leider auch etwas langweilig - also das exakte Gegenteil der flippigen, lebenslustigen Tänzerin Becky. Viel mehr muss man eigentlich nicht verraten.
Bikini-Höschen unter Zeitdruck verstecken
Es gibt ein wenig Slapstick, etwa wenn der langsam auftauende Paul das Bikini-Höschen von Becky unter Zeitdruck verstecken muss. So sind sie halt, die Männer. Aber wirklich witzig ist ein Schlüpfer im Eisfach dann eben doch nicht. Und von den böse kalkulierten Geschmacklosigkeiten, wie man sie aus den trashigen Filmen der sarkastischen Farrelly-Brüder ("Verrückt nach Mary") kennt, ist diese politisch korrekte Partnertausch-Posse meilenweit entfernt. Da wird dann höchstens der zukünftige Bräutigam von einem durchgeknallten Nebenbuhler einmal im Müllcontainer versenkt.
In Pauls Fall kommt die Wandlung vom verkniffenen Spießer zum coolen Draufgänger ebenso vorhersehbar wie unglaubwürdig daher - das höchste der rebellischen Gefühle ist schließlich eine mäßige Geschwindigkeitsüberschreitung auf einer nächtlichen Straßenkreuzung. Natürlich bekommt am Ende jeder Topf sein Deckelchen ab, alle werden glücklich - nur bleibt das harmonieselige, laue Komödien-Süppchen, dass Regisseur Koch uns hier angerührt hat, doch schwer genießbar.
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