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"Skyfall" kommt Donnerstag ins Kino
Gelungen: der neue James Bond
Trailer "James Bond: Skyfall"
Düsseldorf. Zum dritten Mal spielt Daniel Craig die Rolle des berühmtesten Geheimagenten der Welt. In "Skyfall" kämpft er gegen einen ehemaligen Kollegen, der London mit Cyberangriffen terrorisiert. Regisseur Sam Mendes inszeniert den temporeichen Action-Thriller. Von Philipp Holstein

Die Szenen vor dem Vorspann sind das Wichtigste, sie zeigen, ob ein neuer James-Bond-Film gelungen ist. Und der Anfang von "Skyfall"? Ein Hammer!

Daniel Craig befindet sich auf einem Basar in Istanbul, und man fragt sich gerade, wie viele Actionfilme eigentlich auf arabischen Märkten spielen, da rast Craig bereits mit dem Motorrad eine Treppe hinauf, er fährt auf einem Hausdach herum und springt auf einen fahrenden Zug.

Der Zug transportiert einen Bagger, Craig steigt hinein, baggert ein bisschen, und als das meiste vom Zug kaputt ist, steigt er wieder aus und klettert auf ein verdelltes Waggon-Dach, um sich zu prügeln.

Eine befreundete Scharfschützin will Craigs Gegner töten, sie traut sich nicht, die Kämpfer halten nie still, doch die per Standleitung zugeschaltete Geheimdienstchefin M (Judie Dench) befiehlt: "Schieß!"

Also drückt die Zögerliche ab, der Zug fährt gerade über eine Brücke, Bond stürzt. Es dauert ewig. Er fällt ins Wasser, dann beginnt der Vorspann, das tolle Lied von Adele, große Oper. Bond sinkt, man muss das Schlimmste annehmen, Drachen schwimmen vorbei, Schädelfratzen, da ist die Stadt Atlantis. Ja, tatsächlich: Bond ist tot.

"Skyfall" heißt die 23. Lieferung der erfolgreichsten Agentenreihe Hollywoods, Regie führte Sam Mendes, und natürlich glauben alle bloß, Bond sei nicht mehr da. Doch er lebt, er arbeitet nun gewissermaßen aus dem Jenseits heraus.

Zum dritten Mal übernimmt Daniel Craig die Heldenrolle, wobei das Schöne an seiner Besetzung ist, dass man zunächst gar nicht weiß, ob er Retter oder Bösewicht ist. Craig sieht ja ziemlich wüst aus. Unter dem Smoking die Muckibude. Kein Minenspiel. Er ist Malocher, Arbeiterklasse.

Bald schon sieht man die Versehrungen dieses Kerls: vernarbt, tablettenabhängig, Suff. Da hat sich jemand die Seele erkältet – Bond sehnt sich offenbar noch immer nach Vesper Lynd, seiner Geliebten, die in "Casino Royale" (2006) sterben musste und in "Ein Quantum Trost" (2008) heftig betrauert wurde. Die Welt bleibt schlecht. Sehr treffend deshalb der Fürsorge-Minimalismus Craigs: Einem verblutenden Kollegen legt er gönnerhaft sein Taschentuch auf die Gruselwunde. Dann geht er.

Die Story von "Skyfall": Ein irrer Ex-Agent (Javier Bardem) stiehlt eine Liste von Geheimdienst-Mitarbeitern und stellt die Namen nach und nach ins Internet. Es ist ein Anschlag auf M, deren Lieblingsangestellter er einst war. M soll nun entlassen werden. "Gehen Sie in Würde", rät der Vorgesetzte (Ralph Fiennes). Sie entgegnet: "Ich gehe nicht in Würde. Ich gehe, wenn der Job gemacht ist."

Überhaupt die Dialoge. In der besten Szene treffen sich Craig und Bardem in der Unterwelt Londons. Craig will auf Bardem schießen, doch der zückt eine Fernsteuerung. "Das Neueste aus meinem Spielzeugladen", sagt er und drückt einen Knopf. Hinter Bond gibt es eine Explosion, sie reißt ein gewaltiges Loch in die Decke. Craig schaut sich alles ungerührt an. Er sagt: "Und das war für mich?" Darauf Bardem: "Nein, das!" Und dann rauscht eine U-Bahn durch das Loch, direkt vor Craigs Füße: zwei, vier, sechs, acht, zehn Waggons lang.

Was auffällt: Bonds Hand zittert. Viele Schüsse, wenige Treffer. Er lässt das Imponiergehabe. Es gibt nur zwei Liebesszenen, und die sind kurz. Alle wollen ihm weismachen, seine Zeit sei vorbei. Der Chef sagt: "Überlassen Sie das Spiel den jungen Leuten."

Der schnöselige Q-Nachfolger, der ihm lustige, aber sündhaft teure Pistolen bringt, erklärt, dass er morgens im Pyjama mit dem Laptop mehr erreichen könne als Bond im ganzen Leben. Und als Bond nachfragt, warum er, Bond, dann noch gebraucht werde, sagt der Uni-Absolvent: "Ab und an muss der Abzug gedrückt werden." Die beschleunigte Gegenwart hat Bond erreicht. Cyberterror, Hackerangriffe, Wikileaks – und auch das: Wirtschaftskrise. Q: "Bringen Sie die Waffen bitte unversehrt zurück." Bond: "Schöne neue Welt."

Bond wirkt ferngesteuert. Ständig hat er einen Knopf im Ohr, darüber geben ihm Computernerds Anweisungen. Bald will er nicht mehr. "Manchmal sind die alten Wege die besten", sagt er, kidnappt M, fährt ins Cottage seiner Eltern und beginnt den Showdown. Dass die Handlung längst unübersichtlich geworden ist, muss niemanden stören.

Bond soll nebenbei ein Kindheitstrauma bekämpfen – kein Wunder, dass er am Ende wirkt, als könnte er einen heißen Kakao vertragen. All das wird wettgemacht durch Szenen wie diese: Bond auf vereistem Moor-See in Schottland. Ein Mann mit MG bedroht ihn, aussichtslose Lage. Bond packt das Gewehr, der Angreifer drückt ab, er perforiert das Eis, beide brechen ein, und unter Wasser drückt Bond dem Gegner die Luft ab. Geschafft.

Fazit: guter Bond. Zureichend überzeichneter Widersacher. Fein gesetzte Pointen. Temporeiche Inszenierung. Und Daniel Craig lernt dazu, das Schäkern etwa. Kostprobe: Einmal überrascht er seine stets schwer bewaffnet auftretende Teilzeit-Partnerin Severin unter der Dusche. Die Begrüßungsformel: "I like you better without your Beretta." Herrlich.

Quelle: RP/csr/sap/rm/csi
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