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Filmstart
Zwischen Frust und Hoffnung: "Gestrandet" ab Donnerstag im Kino

Gestrandet: Film von Lisei Caspers im Kino
Die Dokumentation "Gestrandet" begleitet ein Jahr lang das neue Leben von fünf Migranten. FOTO: dpa, kes sab
Bonn. Fünf junge Flüchtlinge aus Eritrea verschlägt es in ein kleines ostfriesisches Dorf. Was das für das Miteinander konkret bedeutet, hat der Dokumentarfilm "Gestrandet" über ein Jahr beobachtet.

Oft sind es junge Männer, die zuerst aufbrechen, um für ihre Familien in einem anderen Land eine Zukunft in Frieden und Freiheit zu suchen. So wie Aman, Mohammed, Ali, Hassan und Osman aus Eritrea, die sich in dem Dokumentarfilm von Lisei Caspers unverhofft in der ostfriesischen Provinz wiederfinden - im 1.500-Seelendorf Strackholt.

"Gestrandet"  beginnt für eine sich zeitgeschichtlicher Ereignisse annehmenden, beobachtenden Studie ungewöhnlich: mit der unspezifischen Angabe "Neujahr" sowie einigen Einheimischen, die den fünf Männern aus Afrika die Regeln eines traditionellen Wurfspiels erklären. Es folgt die Rede eines Mannes, der von schwierigen Zeiten, von Schlagzeilen aus kriegsgeschüttelten Regionen spricht und mit Verweis aufs Gebot der Mitmenschlichkeit zu helfen auffordert.

Das Zusammenleben von Flüchtlingen

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Später erfährt man, dass dieser Mann eine Baufirma besitzt; vielleicht hat er in der Gemeinde auch ein Amt inne. Die Regisseurin scheint das im Detail nicht zu kümmern; ihr Film zielt elegant an gängigen Erwartungen vorbei. Die Fluchtgeschichten werden zwar paraphrasiert, aber nicht mitleidheischend ausgebreitet. Der Film schaut bloß genau hin und fragt nach, was die einen von den anderen denken und wie sie miteinander umgehen - als von Zeit und Schicksal sozusagen ins gleiche Boot Geworfene, die sich miteinander arrangieren müssen.

Zwei Freiwillige, die sich um die Angekommenen kümmern, stellt Caspers dann doch vor: den pensionierten Schulleiter Helmut Wendt, der den Flüchtlingen Deutsch beibringt, und die Journalistin Christiane Norda, die die Eritreer zwei- bis dreimal in der Woche besucht, einen Kuchen mitbringt und ihnen im Alltag wie auch bei Behördengängen sowie beim Lesen der in Beamtendeutsch verfassten Briefe hilft.

Einmal lässt Norda sich auf einer Landkarte die Fluchtroute erläutern: 33 brachen auf; doch nur elf haben es übers Meer geschafft. Einer der fünf in Strackholt spricht Englisch, einer von ihnen ist gehörlos und kommuniziert in Gebärden.

Caspers begleitete die Grupper über ein Jahr

Über ein Jahr hat Caspers die Migranten, Wendt und Norda begleitet, sie immer wieder aufs Neue befragt. Die lange Dauer und die Gegenwart, in der sie spielt, verleihen der Dokumentation eine eigenwillige Dynamik und bestimmen die auftauchenden Themen.

Wird erst noch neugierig nach Herkunft gefragt, nach Unterschieden geforscht und gut gemeint Integration geübt, lässt die Langwierigkeit der sich hinziehenden Asylgesuche immer mehr Bedrückung, Frustration und Hoffnungslosigkeit aufkommen. Nicht nur bei den Flüchtlingen, sondern auch bei denen, die sie unterstützen. Das sei so nicht auszuhalten, donnert Norda irgendwann, und Wendt meint erschöpft, er sei die Sache mit völlig falschen Erwartungen angegangen.

Auf dem Höhepunkt der Resignation bricht Caspers' Film ab. Um im Nachklapp, der ein halbes Jahr später aufgenommen wurde, wieder hoffnungsvollere Töne anzustimmen: Es geht ja doch, irgendwie, und vielleicht klappt es auch mit den 80 Flüchtlingen, die der Kreis Aurich danach aufnehmen musste.

(tak/kna)
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