Kino-Kritik: "Glück im Spiel": Echte Pokergesichter
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 28.06.2007Düsseldorf (RP). Man muss keine Ahnung vom Boxen haben, um sich von einem Boxkampf faszinieren zu lassen. Was ein Schlag ins Gesicht oder die Magengrube bedeutet, kann man auch als Amateur nachvollziehen. Beim Pokern liegt der Fall anders. Ein Laie, der nicht einmal Skat spielt, kann unmöglich den Wert der aufgedeckten Karten erahnen.
Auf solche Laien muss die Filmindustrie allerdings Rücksicht nehmen. Lohnt es sich also, einen Film über Pokerspieler zu drehen und die Handlung fast vollständig auf das Geschehen am Pokertisch zu reduzieren? Curtis Hanson ist das Wagnis eingegangen und hat sich tapfer geschlagen. Dabei haben er und sein Co-Autor Eric Roth darauf verzichtet, ihre Pokerspieler mit einem aufregenden Privatleben zu versehen. Huck Cheever (Eric Bana) ist kein zerrissener Spieler Dostojewskijscher Prägung, auch wenn er ein paar Probleme mit sich herumschleppt. Er hat sich verschuldet, Gläubiger schlagen ihn zusammen, außerdem steht er im Schatten seines übermächtigen Vaters L.C. (Robert Duvall).
Dennoch macht er keinen verzweifelten Eindruck. Sein Pokergesicht bewahrt er auch, wenn er allein ist und ihn niemand beobachtet. Stets hat er die Ruhe weg. Huck gewinnt gern, aber einen Verlust empfindet er nicht als Bedrohung seiner Existenz. Vielleicht ist er deshalb nicht so erfolgreich wie sein Vater, der ungekrönte König von Las Vegas.
Obwohl eine gewisse Leidenschaft, wenn nicht sogar Besessenheit erforderlich ist, um auf Pokerturnieren zu glänzen, konzentriert sich Curtis Hanson auf die Normalität seiner Figuren, nicht auf ihre Macken. Diese Männer und Frauen sind Vollprofis, so wie der ganze Film durch Professionalität beeindruckt.
Hinreißende Originale
Auch wenn es sonst keine Konstante im Werk von Curtis Hanson („L.A. Confidential“, „In den Schuhen meiner Schwester“) gibt, schlampig und dumm sind seine Filme nie. Die kleinsten Nebenrollen hat er mit hinreißenden Originalen besetzt, von deren Gesichtsausdruck man auf ihre Spielweise schließen kann. Es handelt sich fast durchweg um echte Pokerspieler. Die gleiche Sorgfalt wurde auf die Wahl der Drehorte verwendet. Die exquisite Inneneinrichtung der Spielhallen macht verständlich, warum Huck sich hier zuhause fühlt und ihn die Räumung seiner eigenen Wohnung kalt lässt.
Nur die weibliche Hauptfigur hätte etwas mehr Ausarbeitung vertragen können. Von Billie Offer (Drew Barrymore) erfahren wir, dass sie Huck liebt, ihm ins Gewissen redet und ab und zu in Nachtclubs singt. Für die Haupthandlung ist sie entbehrlich, denn Huck ist kein schlechter Mensch, der bekehrt werden müsste.
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