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"Gotthard Graubner – FarbRaumKörper"
Bilder zum Hineinsehen

"Gotthard Graubner – FarbRaumKörper" im Kino: Bilder zum Hineinsehen
FOTO: Scotty Drechsler
Düsseldorf. Am Anfang ist nur diese Stimme. Dieser sonore und gleichzeitig etwas nuschelige Ton, in dem Gotthard Graubner so lakonisch wie prägnant über seine Arbeit spricht. "Meine Bilder muss man eigentlich atmen. Denn es ist ein Raum, den ich versuche zu schaffen. Und in einem Raum muss man atmen können." Von Helga Bittner

Fast drei Jahre lang hat der Filmemacher Tilman Urbach den Maler Gotthard Graubner immer wieder besucht, in seinem Atelier auf der Museumsinsel Hombroich, ihn aber auch zu Ausstellungen etwa nach Paris oder nach Bottrop begleitet. Dass sein 90 Minuten langer Film "Gotthard Graubner – FarbRaumKörper" auch ein Nachruf werden würde, war zwar nicht unwahrscheinlich, aber nicht geplant.

Aber so hat es sich nun mit dem Porträt, das am Donnerstag seine Kino-Premiere im Düsseldorfer Bambi hat, ereignet. Denn der Künstler ist 82-jährig im Mai 2013 gestorben, hat gleichwohl viele Szenen noch gesehen. Immer wieder musste Graubner wegen gesundheitlicher Probleme Dreharbeiten absagen, dennoch ist aus den Treffen mit Tilman Urbach, die Marcus Schwemin meistens mit der Handkamera gefilmt hat, ein eindrucksvolles Porträt des Malers und seiner künstlerischen Arbeit entstanden. Graubners Arbeiten hängen in Museen und privaten Sammlungen, er zählt längst zu den Großen der Gegenwartskunst.

Kinostarts der Woche FOTO: Moviepilot

In erster Linie geht es um Graubners Arbeit, um die Art, wie er seine Kunst sieht, wie jene Werke entstehen, die als "Kissenbilder" ein Begriff geworden sind. "Aber ich bin nicht der Erfinder, sondern der Finder", sagt Graubner etwa ganz lakonisch und erzählt von dem Schwamm, den er sich als junger Künstler aus Geldmangel statt eines Pinsels zugelegt hatte. Eines Tages habe er erkannt, dass die aufgesogene Farbe dem Schwamm einen Körper gebe. Und der "Farbraumkörper" war geboren.

Der in München lebende und in Kaarst aufgewachsene Tilman Urbach lässt Graubner reden, stellt selbst nur gelegentliche Fragen aus dem Off. So gibt es in dem Film auch viele stille Momente, in denen nur Graubners Atem zu hören ist, das Wischen seines überdimensionalen Pinsels über ein Kissenbild auf dem Boden seines Hombroicher Ateliers. Urbachs Film ist emotional, subjektiv und suggestiv. Er erreicht mit filmischen Mitteln, was Graubner mit malerischen schafft: Bilder zum Hineinsehen; Bilder, die bleiben.

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