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Panorama Weihnachtsgeschichte
  Foto: Disney
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Charles-Dickens-Klassiker "Eine Weihnachtsgeschichte": Gruselige Weihnachtsgeschichte

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 05.11.2009 - 09:22

(RP). Disney bringt Charles Dickens Klassiker "Eine Weihnachtsgeschichte" ins Kino – als 3D- Abenteuer mit Jim Carrey in diversen Rollen und Geistern, die wirklich zum Fürchten sind. Allerdings kommt vor lauter spektakulären Effekten die Geschichte zu kurz. Dieser Dickens rührt nicht.

Es passiert spätestens in der Szene, in der einer der Weihnachtsgeister wie ein gigantischer Bacchus mit Samtmantel über dem Schmerbauch auf einem enormen Turm aus Weihnachtsschleckerein hockt und lacht. So ein sattes Hohoho-Lachen, das nur aus einem voluminösen Körper aufsteigen kann und überhaupt nicht enden will. Spätestens in dieser Szene muss man sich einfach fragen, ob es nicht gute alte Zeiten waren, als man Charles Dickens "Christmas Carol" nur als Buch kannte mit ein paar flüchtig kolorierten Radierungen von John Leech. Denn damals war die Geschichte vom alten Geizhals Scrooge, den drei Weihnachtsgeister ziemlich unsanft zum großzügigsten Spendieronkel Londons bekehren, noch ein groteskes Märchen. Eine Geschichte mit Moral, in der die Armen arm und gut, die Reichen reich und böse sind, am Ende aber die Barmherzigkeit siegt, wenn auch erst der Tod als wirkungsvollste aller Drohkulissen aufgezogen werden muss.

Die Weihnachtsgeschichte in den Klauen Disneys

Dieses Märchen von der Wandlung eines Hartherzigen ist so berühmt geworden, weil es alljährlich pünktlich zum Fest der Heiligen Familie daran erinnert, dass Glück keine Frage des Geldes, sondern der Zuneigung und Anteilnahme unter Menschen ist. Und weil Charles Dickens nun mal ein humorvoller Realist ist, der für seine drastischen Erzählungen zwar den schweren Ölpinsel hervorholt, ihn dann aber in die feinen Aquarellfarben der Ironie taucht.

Das aber liegt Disney fern. Zumal die 3D-Technik nun auch noch neue Türen ins unendliche Reich der Effekte aufgestoßen hat. Die Folge ist eine Version von Dickens' "Weihnachtsgeschichte", in der der alte Scrooge ständig irgendwelche Abhänge, Kanalrohre oder Stadtschluchten hinunterstürzt oder in atemberaubenden Flugsequenzen durch sein Leben jettet. Das ist zwar technisch erstklassig, doch für Besinnliches bleibt keine Zeit. Und fürs Erzählen auch nicht. All die rührenden Szenen dieser Weihnachtsgeschichte – Scrooge als Kind einsam in der Schule, Scrooge als Lehrling bei den lustigen einfachen Leuten, Scrooge als Bräutigam, dem schon die Knausrigkeit dazwischen kommt – verkommen zu Pausenfüllern zwischen den spektakulären Schauläufen der 3D-Technik. Der Zuschauer fühlt sich wie in einem Freizeitpark, in dem eine Achterbahn die andere jagt. Das kann Spaß machen, aber nur, wenn Sommer ist und die ganze Familie Lust hat auf Kirmes-Remmidemmi. Eine besinnliche Weihnachtsgeschichte hingegen verträgt die ein oder andere Action-Injektion, wenn sie aber dazwischen nichts zu erzählen hat, sondern nur ein paar Charakterkarikaturen durch die animierte Kulisse schiebt, dann regt sich bald Widerwillen beim Betrachter.

Im Labyrinth der Trickfabrik

Dabei hat Regisseur Robert Zemeckis in Filmen wie "Zurück in die Zukunft" oder "Forrest Gump" bewiesen, dass er Geschichten erzählen und dramatische Bögen weit spannen kann. Doch Zemeckis ist inzwischen eben auch Betreiber einer großen Trickfabrik, in der er unter anderem die Performance-Capture-Technik voranbringt – jene Art des Filmemachens, bei der Schauspieler das lebendige Vorbild sind für die später am Computer generierten Figuren. Und so wollte er wohl zeigen, was diese Technik inzwischen alles kann. Dafür holte er sich Stars wie Jim Carrey, Colin Firth und Gary Oldman als Figurengeber. Die spielen natürlich professionell, und inzwischen sind ihre künstlichen Hüllen auch so feinpixelig, dass die Schauspieler nicht mehr starr wirken wie in Zuckerhüllen, sondern lebendig mit feiner Mimik, natürlichen Bewegungen.

Doch all die technische Perfektion wirkt seelenlos, weil sie sich nicht der Geschichte unterordnet, sondern sich in den Vordergrund drängelt. Dazu geben sich Zemeckis' Designer solche Mühe in der gruseligen Ausgestaltung der Weihnachtsgeister, dass dieser Film zurecht erst für Kinder ab zwölf Jahren freigegeben ist. Schaurige Türknopfgeister, die beim Sprechen ihre fauligen Zähne ausspucken, sind nichts für zarte Gemüter. Wer Dickens süßliche Weihnachtsgeschichte dagegen immer schon mal als Gruselstreifen sehen wollte, kommt auf seine Kosten.

Kein flotter Klamauk also mit Jim Carrey, sondern aufwendiger Flugpalaver in der dritten Dimension. Wer sich so auf Weihnachten einstimmen will, kann mit Zemeckis ins London des 19. Jahrhundert zeitreisen. Alle anderen sollten ihr Dickens-Buch hervorkramen und ihrer Fantasie Flügel verleihen.

Bewertung: 2 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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