Kino-Kritik: Hallodri im Kinderhort
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 20.12.2007 - 10:15Düsseldorf (RP). Den etwas merkwürdigen Filmtitel liefert hier ein Stoffhase ohne Ohren, den Ludo (Til Schweiger) in einem Kinderhort zusammenflickt. Dorthin hat es den großmäuligen Klatschreporter verschlagen, weil er nach einem missglückten Paparazzi- Einsatz zu 300 Sozialstunden verdonnert wurde.
Im Hort trifft der egoistische Kerl, der sich bislang mit allerlei Lügengeschichten durchs Leben schlug, auf sein komplettes Kontra, die unscheinbare, aber ziemlich kratzbürstige Kindergärtnerin Anna (Nora Tschirner), die mit ihm noch ein Hühnchen aus alten Schultagen zu rupfen hat.
Doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, und so ist absehbar, in welche Richtung diese im Prinzip schlichte Story steuert. Natürlich werden die beiden sich ineinander verlieben. Zuvor sind wie gewohnt ein paar Klippen zu umkurven, und während der Macho im Umgang mit den pfiffigen Kindern lernt, Verantwortung zu übernehmen, setzt das Mauerblümchen irgendwann die unmodische Brille ab.
Von Stofftieren und kleinen Kindern
Herrje, das haben wir doch alles schon tausendmal gesehen, wird der eine oder andere sagen. Doch von dieser altbekannt anmutenden Anhäufung herkömmlicher Handlungsklischees sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn es ist schon erstaunlich, wie viel Witz, Charme und Unterhaltungswert Til Schweiger, der hier als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion fungierte, noch aus dem eigentlich verbrauchten Genre der romantischen Komödie filtert.
Man könnte Schweiger vorwerfen, dass er kein Risiko eingeht. Er spielt das, was er am besten kann, den etwas verschlagenen, prollig wirkenden Hallodri, der im Laufe der Zeit geläutert wird und zum besseren, ja zum bewegten Mann mutiert.
Aber wie Schweiger das erzählt, wie er mit Stofftieren und kleinen Kindern hantiert, ja mit allem, was Frauen süß finden, und wie er die teils brillanten Gastauftritte (Jürgen Vogel als er selbst, Rick Kavanian als cholerischer Chefredakteur) unterbringt, das macht einfach Laune.
Vor allem in der erstem Hälfte legt „Keinohrhasen“ eine umwerfende Gagdichte an den Tag. Da reiht sich Lacher an Lacher, und mancher ist sogar hintersinnig. Später schaltet Schweiger zwar ein paar Gänge zurück, und der Humor tritt hinter die Emotionen zurück. Aber auch die sich dann entwickelnde romantische Liebesgeschichte funktioniert, weil die Chemie zwischen Til Schweiger und Nora Tschirner stimmt.
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