Jugendfilm: In kleinen Episoden geht es von Gag zu Gag: Hanni und Nanni – ein flüchtiger Spaß
VON INA HOCHREUTHER - zuletzt aktualisiert: 17.06.2010 - 10:28(RP). Eben jagten sie noch als Großstadtgören einem Hockeyball durchs Kaufhaus nach. Einige Filmminuten später finden sich die Zwillinge Hanni und Nanni in einem Landinternat wieder. Ein vermeintlicher Ladendiebstahl hat die Mädchen von der Schule gekegelt. Ihre Mutter (Anja Kling) schwärmt von der eigenen Internatszeit auf Lindenhof, von der "besten Zeit ihres Lebens" – was vom Gatten (Heino Ferch) mit einem trockenen "Danke" kommentiert wird – und verfrachtet die Töchter kurzerhand dorthin.
Rasantes Tempo legt die Fernsehfilm-Regisseurin Christine Hartmann, die unter anderem "Tatort"- und "Polizeiruf 110"-Folgen gedreht hat, bei "Hanni und Nanni" an den Tag. Bloß keine Langeweile aufkommen lassen, lautet die Devise der freien Adaption des ersten Bands der bis heute gern gekauften Kinderbuchserie. Doch saust sie auf Kosten von Figurenzeichnung und stimmiger Dramaturgie dahin.
"Hanni und Nanni" eilt in kleinen Episoden von Gag zu Gag. Der Anblick des Burg-Internats provoziert die coole Bemerkung an die Mutter: "Bist du etwa mit Harry Potter in die Schule gegangen?" Kurz darauf wird der Speisesaal wie eine Leihgabe der populären Zauberschule Hogwarts gezeigt.
Zwilling, wechsle Dich
Natürlich gibt es Verwechslungsspiele mit den gleich aussehenden Schwestern. Natürlich ecken die Mädchen, sympathisch verkörpert von den filmunerfahrenen elfjährigen Zwillingsschwestern Sophia und Jana Münster aus der Mannheimer Gegend, erst an und erfahren schließlich doch Gemeinschaftsgefühle. Die draufgängerische Hanni muss sich in der Hockeymannschaft durchsetzen. Ihre sensible Schwester Nanni lernt in der neuen Umgebung nicht nur, sich als Individuum abzugrenzen, sondern sie erlernt auch blitzschnell das Cellospiel.
Hannelore Elsner agiert in einer Paraderolle als esoterisch angehauchte Direktorin in Flattergewändern, die nur hilflos in Unterlagen blättert und keinesfalls das Schulgeld erhöhen will, als der Institution bereits die Pleite droht. Katharina Thalbach spielt die Französischlehrerin dermaßen überdreht, dass es fast schon wieder Klasse hat. Doch bleiben die Erwachsenen letztlich Knallchargen, und auch die Kindercharaktere laden nur wenig zur Identifikation ein.
Als Enid Blytons Bücher um Hanni und Nanni in den 1960er Jahren hierzulande erschienen, hatten sie schon 20 Jahre hinter sich. Sie wurden von den Namen der Protagonisten, den Handlungsorten bis hin zu inhaltlichen Aspekten unbekümmert eingedeutscht. Heute wäre das in diesem Ausmaß jedenfalls undenkbar. Aber der Erfolg der angepassten Reihe in Deutschland überstieg den Absatz der Originale in England. Die Reihe etablierte sich als Marke. Kein Wunder also, dass nun der Stoff nach der Zielgruppe der Acht- bis Zehnjährigen einschließlich deren Eltern und Großeltern greift.
Fazit: Ein flüchtiger Spaß – nichts, was berührt und haften bleibt.
Bewertung: 2 von 5 Sternen
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