Knef-Biopic "Hilde": Heike bezwingt Hilde
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 12.03.2009 - 10:10(RP). Überzeugend verwandelt sich Heike Makatsch in "Hilde" in die große Hildegard Knef. Allerdings scheitert der Film in dem Versuch, neben einem Star auch Zeitgeschichte vorzuführen. Und er überspielt ein brisantes Kapitel aus dem Leben der Knef: ihre Affäre mit Ewald von Demandowsky.
Heike als Hilde: Seit Wochen ist das ein Dauerthema. Es besteht Einigkeit darüber, dass man sich keine geeignetere Interpretin für die Rolle der Knef vorstellen kann als Heike Makatsch. Nur von dem Film selbst war bislang kaum die Rede, so als habe er keine eigenständige Betrachtung verdient. Das ist schade, denn er wartet mit unerwarteten Qualitäten auf.
Schon der Einstieg lässt aufatmen. Es erklingt nicht "Für mich soll's rote Rosen regnen", sondern das weniger bekannte Chanson "In dieser Stadt". Damit ist auch die Rahmenhandlung vorgegeben. Die Stadt, die besungen wird, ist Berlin. 1966 kehrt Hildegard Knef hierher zurück, um in der Philharmonie zu gastieren. In der Garderobe erinnert sie sich an Stationen ihres Lebens und ihrer Karriere: Als das Dritte Reich in seinen letzten Zügen lag, der Neuaufbau der deutschen Filmindustrie, die Verpflichtung nach Hollywood, der Skandal um den Film "Die Sünderin", der Erfolg am Broadway.
Für das beabsichtigte Gesellschaftspanorama fehlte der Produktion offenbar das Geld, oder dem Regisseur Kai Wessel die Fantasie. Wenn die Bomben fallen und Hilde sich als Mann verkleidet, um an der Seite von Wehrmachtssoldaten an den letzten Kämpfen um Berlin teilzunehmen, dann wirkt das Aufgebot an Komparsen etwas mager. Eine computeranimierte Trümmerlandschaft sieht so unecht aus, wie von Kinderhand gemalt, dass man schon fast wieder applaudieren möchte: Totale Künstlichkeit ist besser als halbherziger Realismus.
Durchweg gelungen sind dagegen die intimen Momente, bei denen der Kameramann Hagen Bogdanski auf anregende Weise mit Licht und Farben spielt. Einfühlsam werden die Männer an Hildes Seite charakterisiert. Das ist die größte, erfreulichste Überraschung, denn bei dem Stoff war eine konsequente One-Woman-Show zu befürchten. Stattdessen wird einem der Tobis-Produktionschef Ewald von Demandowsky (Anian Zollner) nahegebracht, Hildes erster Förderer, der eine Wandlung vom schneidigen NS-Karrieristen zum sensiblen Skeptiker durchläuft.
In starkem Kontrast dazu stehen die Naivität und das sonnige Gemüt des US-Soldaten und Ehemanns Nr. 1 Kurt Hirsch (Trystan Pütter). Als Ehemann Nr. 2 David Cameron hinterlässt der charmante, Shakespeare-erfahrene Brite Dan Stevens einen bleibenden Eindruck. Überhaupt ist es eine Wohltat, einen deutschen Historienfilm ohne die üblichen bekannten Gesichter zu sehen. Nur Monica Bleibtreu, als Schauspiellehrerin Else Bongers, ist eine Veteranin des biografischen Films: Sie war schon die Ehefrau von Brecht und von Thomas Mann, und die Zofe von Marlene Dietrich.
Das Drehbuch wurde einer Schwedin anvertraut, Maria von Heland, die vor Beginn ihrer Recherche kaum etwas über den Star Hildegard Knef wusste. Sie hat somit ganz unbefangen die Episoden ausgewählt, die ihr interessant erschienen und nicht jene, die der deutschen Öffentlichkeit gegenwärtig sind. Ein großes Versäumnis ist lediglich im Zusammenhang mit Ewald von Demandowsky zu beklagen. Hildegard Knef will diesen Mann in den Kriegswirren aus den Augen verloren haben, und sein Verbleib war Jahrzehnte lang ungewiss.
Erst der Filmhistoriker Felix Moeller hat herausgefunden, dass Demandowsky 1946 von einem sowjetischen Militärgericht zum Tode verurteilt und erschossen wurde, und dass es kurz vor seiner Verhaftung noch heimliche Treffen mit der Knef gegeben hat.
Wessel begnügt sich mit einer kurzen Parallelmontage – hier Hilde bei einer feierlichen Premiere, dort der an die Wand gestellte Demandowsky. Es wäre sinnvoll gewesen, den Gewissenskonflikt der Künstlerin in jenen Tagen zu vertiefen. Und die in die USA emigrierte Familie Hirsch, die die Schwiegertochter ablehnte, kommt erst gar nicht vor.
Der Film lässt keinen Zweifel daran, dass Hildegard Knef die Karriere immer wichtiger gewesen ist als die persönlichen Beziehungen. Es ist das Verdienst des Films, dass er diese Haltung nicht verurteilt. lll
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