"Herr der Ringe 3" - Mit Frodo und Gollum in den Kinohimmel
zuletzt aktualisiert: 15.12.2003 - 15:27Frankfurt/Main (rpo). Es ist vollbracht: Mit dem dreieinhalbstündigen dritten Teil des monumentalen Leinwand-Opus "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" beschließt der neuseeländische Filmemacher Peter Jackson sein Werk - in Wagnis, Umfang und Gelingen einzigartig.
Jackson, der sieben seiner bislang 42 Lebensjahre für die filmische Umsetzung der nicht minder voluminösen Roman-Trilogie des Briten J.R.R. Tolkien investierte, hat sich damit zweifellos einen Ehrenplatz im Kinohimmel gesichert und ebenso zweifellos einen Klassiker geschaffen.
Im dritten Teil, der mit einer Hand beginnt, in der ein Regenwurm zappelt, und mit dem Blick auf die grüne Haustür des nun zum Familienvater gewordenen Hobbits Sam endet, gibt es noch einmal eine nicht enden wollende Kette von spektakulären Szenen. Und noch einmal können große und kleine Zuschauer - und das werden wieder viele Millionen in aller Welt sein - mit dem Helden Frodo Beutlin leiden und bangen. Dass alles ein gutes Ende nimmt, ist allgemein bekannt.
Aber wie sentimental Jackson den Ausklang des insgesamt über neunstündigen Epos' inszeniert, das ist schon ein eigenes Kapitel: Wer die Geschichte liebt, wird mit den Tränen kämpfen. Wer dem ganzen Schlachtenlärm, Elfenzauber und Zwergenpower weniger oder nichts abgewinnen kann, wird fassungslos betrachten, mit welch ungebrochenem Willen zu Pathos und Kitsch der genialische Neuseeländer das Ende in Szene setzt. Einen vierten Teil, so viel steht fest, wird es jedenfalls nicht geben. Dabei wüsste man doch allzu gern, zu welchen neuen Abenteuern Frodo mit dem weißgewandeten und weißhaarigen Zauberer Gandalf, verkörpert vom vorzüglichen Ian McKellen, aufbricht.
Bis das so weit ist, kommen Fans von Massenszenen und bombastischer Aktion voll auf ihre Kosten. Die Schlacht um die atemberaubend verwinkelt am Berghang liegende Hauptstadt von Gondor, Minas Tirith, ist ein Spektakel sondergleichen. Wenn dann die Riesenelefanten das Menschenheer angreifen, bringen Jackson und sein Team Bilder von sinnenbetäubender Wucht auf die Leinwand. Doch der Regisseur schiebt immer wieder mit perfektem Rhythmusgefühl intime Szenen mit ausdrucksstarken Großaufnahmen dazwischen. So werden nicht nur Augen- und Ohrenlust, sondern auch die Emotionen bestens bedient.
Menschliches Profil im Feuerwerk der Effekte
Wenn es neben dem famosen Einsatz von modernster Tricktechnik, die den Machern von "Der Herr der Ringe" wieder etliche Oscars sichern dürften, ein Geheimnis für den Welterfolg des Filmepos' gibt, dann liegt er in dieser Sicherheit des Gebrauchs der gesamten Kinosprache begründet. Wenn die Produzenten über Jacksons Arbeit urteilen: "Wir haben gewürfelt, und die Sieben ist gekommen", übertreiben sie nur wenig.
Sicherlich ein weiterer Glücksfall für das Unternehmen war die Besetzung der Hauptrolle des Frodo mit dem jungen Amerikaner Elijah Wood. Dessen naiv-ausdrucksstarkes Gesicht mit den charismatischen Augen gibt dem Film das menschliche Profil, das bei allem Feuerwerk optischer Knalleffekte unverzichtbar bleibt.
Leider hat die Sensation des zweiten Teils, das groteske Minimonster Gollum/Smeagol, nicht mehr den Rang in der Handlung wie vordem. Denn diese erste computeranimierte Figur, die völlig dem Spiel eines Schauspielers (Andy Serkis) nachgezeichnet ist, gehört zu denen, die ganz unverwechselbar im Personal sind. Was sich von den beiden weiblichen Mitwirkenden Cate Blanchett und Liv Tyler schon deshalb nicht sagen lässt, weil sie völlig untergeordnete Rollen haben.
"Der Herr der Ringe" ist im dritten Teil mehr denn je ein Männerfilm. Und da der Amerikaner Viggo Mortensen gewiss der schönste der Männer ist, darf er sich am Schluss auch die Königskrone aufsetzen.
Es ist viel von Helden- und Kriegertum die Rede in den 210 Filmminuten. Jene englischsprachigen Völker, die an der Produktion beteiligt waren, haben dazu ein ziemlich ungebrochenes Verhältnis und machen keinen Hehl daraus. Auch Durchhalteparolen gehen den Figuren leicht von den Lippen. Dass Tolkien sehr offensichtliche Anleihen bei Richard Wagners "Ring des Nibelungen" gemacht hat, wird gerade im letzten Teil deutlich, sei aber nicht gerügt. Denn es ist großes, opulentes und faszinierendes Kino, das kurz vor Weihnachten den Besuchern auf den Gabentisch gelegt wird. Wer da nicht zugreift, versäumt was.
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