Unkonventionell erzählte Liebesgeschichte: "Herz im Kopf" mit Tom Schilling
zuletzt aktualisiert: 10.06.2002 - 11:44Berlin (rpo). Es klingt klischeehaft und langweilig: Ein junger Mann lernt eine junge Frau kennen und lieben. Vor dem unausweichlichen Happy End gibt's ein wenig Chaos. Doch Dank der überzeugenden Schauspieler ist "Herz im Kopf" ein sehenswerter und lustiger Teenagerfilm.
Der 20-jährige Tom Schilling spielt in "Herz im Kopf" seine erste tragende Hauptrolle. Bekannt wurde er bereits durch seine Darstellung der Figur Janosch in dem Film "Crazy". An seiner Seite ist die ein Jahr jüngere Alicja Bachleda-Curus eine Neuentdeckung in deutschen Kinosälen. In ihrem Heimatland Polen ist sie für viele Jugendliche bereits ein Idol. Für gute Kino-Unterhaltung stehen außerdem Hans-Christian Schmid und Michael Gutmann, die das Drehbuch schrieben und schon für "Crazy" und "Nach fünf im Urwald" verantwortlich waren. Gutmann führt zudem Regie.
Schilling mimt den 18-jährigen Jakob, einen leicht überdrehten Jugendlichen, der die Schule geschmissen hat, um nach dem Tod der Mutter von Frankfurt nach Berlin zu seinem Vater zu ziehen. Die Vater-Sohn-Beziehung funktioniert nicht, und Jakob kehrt in die Mainmetropole zurück. Er findet Unterschlupf bei seiner hochschwangeren Schwester Petra, die mit ihrem achtjährigen Sohn Patrick in einer Sozialwohnung lebt.
Es dauert gut die Hälfte des Films, bis sich Jakob vom wenig liebenswerten Raubein in einen fürsorglichen jungen Mann wandelt. Diese Metamorphose vollzieht sich mit Hilfe des polnischen Au-pair-Mädchens Wanda, gespielt von Bachleda-Curus.
Die ist, obwohl gleichaltrig, reifer als Jakob. Während er von einem scharfen Dobermann auf den Baum gehetzt wird, in der Waschanlage einen Mercedes kaputt fährt und im Weinkeller die Flaschen tanzen lässt, ist Wanda die Vernünftige. Doch auch ihr Verstand setzt da aus, wo das Herz einsetzt. So sorgt die aufkommende Liebe zwischen den beiden nebst rührenden Szenen für Situationskomik.
"Herz im Kopf" zeichnet sich durch Authentizität aus. Ältere Zuschauer werden an ihre erste Liebe erinnert, jüngere sich in ihren ersten Erfahrungen damit bestätigt fühlen. Dann geht es auch noch ein wenig um deutsch-polnische Beziehungen, um Jobs, um Zukunft und Geld.
"Das ist eine unkonventionell erzählte Liebesgeschichte mit vielen Zwischentönen, wo man in so ein Gefühl eintaucht, wenn man sich darauf einlässt", sagt Tom Schilling und hat Recht damit. Der Intensität des Films ist die vergleichsweise magere Ausstattung zugute gekommen. Für "Herz im Kopf" reichte nach Angaben von Produzent Thomas Wöbke, der zusammen mit Jakob Clausen auch schon Filme wie "Crazy", "Jenseits der Stille" und "Die Apothekerin" zu Erfolgen machte, ein Budget von drei Millionen Euro.
Dass der Film trotzdem nicht billig wirkt, liegt auch an den weiteren Darstellern: Leonard Lansink und Katharina Müller-Elmau zum Beispiel, die ein sehr realitätsnahes Ehepaar spielen. Auch Anna von Berg überzeugt, die im Film Petra verkörpert, und dank ihres Bruders doch noch auf die große Liebe hoffen darf.
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