"Hollywood Cops" - Yoga im Polizeirevier
zuletzt aktualisiert: 08.09.2003 - 09:53Frankfurt/Main (rpo). Harrison Ford wird alt, und dies zeigt er ungeniert in seinem neuen Film "Hollywood Cops", wo er sich als dreimal geschiedener, bankrotter Polizist Joe Gavilan nebenbei noch als Immobilienmakler abhetzt, um sein karges Gehalt aufzustocken.
Etwas besser dran ist sein junger Kollege K.C. Calden, gespielt vom schmucken Josh Hartnett ("Pearl Harbor"), dessen Nebenjob als Yogalehrer ihm immerhin etliche One-Night-Stands mit hübschen, buddhistisch angehauchten Yoga-Elevinnen beschert.
Aber eigentlich will K.C. wie so viele in L.A. ja Schauspieler werden und nutzt manche gefährliche Situation in seinem Brotberuf erfolgreich als Probebühne. Auch beim Handysklaven Joe stellen sich Synergieeffekte ein, wenn er einen Verdächtigen in die Mangel nimmt und ihm zugleich ein Haus verkaufen will. In der einen müden Hand eine Pistole, in der anderen eine Visitenkarte - so was nehmen Bösewichte schwerlich ernst, und Harrison Ford spielt gekonnt mit dem "Columbo"-Effekt, wenn er als zerknautschter Ermittler im Büro des coolen, schwarzen HipHop-Produzenten Sartain aufkreuzt, der in mehrere Mordfälle verwickelt ist.
Der Plot ist so offensichtlich der jüngsten Realität entlehnt - der charismatische HipHop-Papst mit seiner Gang-Vergangenheit erinnert an reale L.A.-Rapper, die wegen Mordes verurteilt wurden - , dass sich das Drehbuch stattdessen lieber auf die spezielle Atmosphäre dieser extrovertierten und etwas hysterischen Stadt konzentriert, in der die Fassade alles ist, und wo hinter den potemkinschen Kulissen von Filmstudios, Clubs und nicht bezahlten Beverly-Hills-Villen traditionell Spekulanten, Kriminelle, Call-Girl-Ringe und korrupte Polizisten die Fäden ziehen.
Nichts ist, was es scheint: Nicht Diebe, sondern Geldeintreiber brechen Joes Auto auf, was den ahnungslosen K.C. indes nicht daran hindert, eine filmreife Verfolgungsjagd zu initiieren. Schöne Frauen sind nicht unbedingt weiblich, wie Joes Informant, ein Transvestit vom Straßenstrich, beweist. Und wenn sie es sind, handelt es sich oft genug um Huren. Joes Tippgeber aus der Unterwelt brechen ihm fast das Genick, als auch noch rachsüchtige interne Inspektoren das ungleiche Ermittlerpaar unter die Lupe nimmt.
Kein Film für junges Popcorn-Publikum
Das Drehbuch hat Regisseur Ron Shelton zusammen mit Robert Souza geschrieben, der viele Jahre für das berüchtigte L.A.P.D., die Polizei von Los Angeles, arbeitete. Sein Insiderwissen sorgt für eine erstaunlich ernsthafte, zynisch angehauchte Stimmung, fast zu überladen mit den Seltsamkeiten von "Tinseltown": Dies ist kein Film für ein junges Popcorn-Publikum.
Statt dummer Sprüche und schenkelschlagendem Klamauk gibt es Dialoge mit hintergründigem, oft satirischem Humor, statt auf comic-haften Schlagabtausch muss man sich auf sanfteren Slapstick und subtilere Handlungsebenen einstellen.
Die geringe Frequenz von "Babes" und die Cameos von Altstars wie Robert Wagner, der auf dem nassen Beton des "Walk of Fame" seine Abdrücke hinterlassen will und dabei von Joe überholt wird, sind ebenso an ein gewiefteres Publikum adressiert wie Lena Olin (zuletzt in "Chocolat") als Joes hellseherische Freundin.
Schließlich bekommt Harrison Ford wenigstens eine knackige Verfolgungsjagd gegönnt, bei der das L.A.-Sightseeing durch die Vogelperspektive ergänzt wird: Hoch über den Dächern muss sich der alte Knochen ächzend mit einem jüngeren Schurken herumschlagen, beobachtet von Hubschraubern mit gewaltgeilen Reality-TV-Teams.
Josh Hartnett als K.C. mit esoterisch-philosophischen Anwandlungen macht seine Sache ebenso gut wie Harrison Ford, der in die Fußstapfen von Clint Eastwood zu treten scheint: Seine zerknitterte Miene und hängenden Mundwinkel sind seinem Sex-Appeal kaum abträglich.
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