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Neu im Kino
Holzhacken gegen die Rachlust

Neu im Kino: Holzhacken gegen die Rachlust
Szene aus "Revanche". FOTO: Movienet
(RP). Ein Stein fällt in einen stillen Waldsee und zieht weite Kreise. Dieser Auftakt wirkt arg symbolträchtig, erweist sich aber als erster Hinweis auf einen Ort, der im Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. "Revanche" ist voller schöner Naturbilder, die aber nicht bloß Stimmung vermittelnde Kulissen sind, sondern Teil der Handlung. Von Peter Steinhart

Einsames Landleben

Denn "Revanche" ist ein Thriller, der nach einer aktionsreichen Einleitung im großstädtischen Rotlicht-Milieu erst richtig beginnt, wenn die Geschichte sich auf das einsame Landleben weniger Personen konzentriert. In einem Wiener Bordell lässt sich die ukrainische Hure Tamara von dem verliebten Alex, dem Laufburschen des Chefs, zur Flucht in eine gemeinsame Zukunft überreden, die mit einem Bankraub finanziert werden soll. Dabei wird Tamara von einer verirrten Polizisten-Kugel getötet. Alex taucht unter bei seinem Großvater, einem Witwer, dessen Nachbarn der Zuschauer schon kennt: Robert, der Polizist, der die tödliche Kugel abfeuerte, und dessen Frau Susanne, die den alten Einöd-Bauern häufig besucht.

In der Einleitung wird Tamara (Irina Potapenko) so facettenreich charakterisiert, dass sie auch nach ihrem Tod präsent bleibt als Triebfeder einer Geschichte voller mal melancholischer, mal komischer, stets überraschender Wendungen. Alex (Johannes Krisch) bleibt zwar die fesselnde Hauptfigur, während er Trauer, Wut und Rachepläne mit Holzhacken betäubt. Doch die Nebenfiguren schieben sich immer mehr in den Vordergrund. Nicht nur der Polizist Robert (Andreas Lust), den Schuldgefühle zerfressen. Sondern mehr noch seine Frau Susanne (Ursula Strauss), die liebenswürdige Ehebrecherin, die Alex' Rachlust verwirrt. Und schließlich der alte Bauer (der wunderbare Hannes Thanheiser), der durch Alex, den bisher als "Lump" verachteten Enkel, zu neuer Lebenslust auftaut.

Formale Präzision

Götz Spielmann, der Autor-Regisseur, der 2004 mit dem allzu episodenreichen "Antares" Aufsehen erregte, lässt seine Darsteller in nuancierten Rollen glänzen. "Revanche" ist ein wunderbar ökonomischer und gerade dadurch intensiver Meisterstreich, der Spielmanns These erfüllt: "Gefühle stehen nicht im Widerspruch zu formaler Präzision".

Quelle: RP
 
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