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Kino-Kritik: Hunde in den Knast

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 24.07.2008 - 07:59

Düsseldorf (RP). Man mag schon als hart gesottener Bursche in den Knast kommen, drin aber wird man noch härter. So erzählen uns das die meisten Gefängnisfilme. Jan Hinrik Drevs’ Spielfilm „Underdogs“ schildert ein Projekt, das Verhärtungen aufbrechen will. Sechs Strafgefangene erhalten je einen Hundewelpen auf die Zelle, für den sie nicht bloß Verantwortung übernehmen sollen. Sie sollen ihn anspruchsvoll ausbilden: Die Tiere werden später draußen als Blindenführhunde arbeiten.

Auch wenn das in manchen Ohren nach Playmobil-Gefängnis klingen mag, Drevs hat in den USA solch ein Projekt kennen gelernt und 2001 einen Dokumentarfilm darüber gedreht. Trotz dieser Verankerung in der Wirklichkeit könnte man „Underdogs“ aber als Beispiel für die Übernahme des deutschen Kinos durch kompromissbeladene Fernsehproduktionen abwatschen.

Realistische Haftatmosphäre

Die Liste der Einwände reicht vom arg gleichmäßigen Licht über eine Sparflammenliebelei zwischen der Gefängnisdirektorin (Clelia Sarto) und einem Insassen bis hin zu einer zentralen Erzählbequemlichkeit. Der Kraftmensch Mosk (Thomas Sarbacher), die Hauptfigur, entwickelt zunächst keine Beziehung zu seinem Tier, misshandelt es sogar. Die Wandlung des Rohlings wird nicht glaubhaft als allmählicher Prozess inszeniert, sondern als bequemes Erweckungserlebnis.

Trotz dieser Mängel sollte man „Underdogs“ aber nicht als misslungen bezeichnen. Drevs’ Film weist nämlich überraschende Qualitäten auf. Seine Nebenfiguren, die anderen Knackis (Ingo Naujoks etwa und Kida Ramadan) und der Hundetrainer (Hark Bohm) treten quicklebendig auf, die Justizvollzugsanstalt wirkt mit ihrer Architektur glaubhaft beengend und bestimmend, die Kamera bricht also nicht durch ihre Beweglichkeit die Haftatmosphäre. Und die Tiere laufen nicht nebenher, sondern konzentrieren sich auf die Schauspieler. So kann der Film ihre Forderung nach Nähe, Zuwendung, Verlässlichkeit gut vermitteln.

„Underdogs“ geht weder despektierlich mit seinen Figuren um noch flüchtet er sich in den Klamauk. Das ist eine große Leistung für einen deutschen Gefängnisfilm. Und er bricht manchmal seine eigene Lust am Versöhnlichen. Wenn Mosk seinen noch jungen Hund mit Wucht durch die Zelle schleudert, dann sieht man etwas von der Aggression und Unbeherrschtheit, die Mosk in der Realität wohl nicht so schnell hinter sich lassen könnte. Man kann sagen: Dieser Film zeigt Menschen mit seelischen Selbstheilungskräften, die denen der höchst sozialen Hunde ähneln.


 
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