Neuer Trickfilm aus Hollywoods Computerfabrik: "Ice Age" - Roadmovie aus der Eiszeit
zuletzt aktualisiert: 22.04.2002 - 17:13Frankfurt/Main (rpo). Ab dem 21. März herrscht in den deutschen Kinos Eiszeit. Dann startet mit "Ice Age" der neueste computeranimierte Film, der sich mit seinen Vorgängern wie "Shrek" und "Monster AG" vollauf messen kann.
Der Trickfilm von 20th Century Fox zeigt anschaulich, wie ungemütlich die Welt vor über 20.000 Jahren gewesen sein muss: Auf der Leinwand hinten links drohen Eisgebirge, vorne erstreckt sich bräunliche Tundra, und darin befinden sich riesige Tierkarawanen, die zeternd und jammernd zum rechten Bildrand und gen Süden ziehen, auf der Suche nach wärmeren Gefilden.
Nur das eigenbrötlerische Mammut Manfred marschiert abseits der Herde, und zu ihm gesellt sich das Faultier Sid, das von seiner Sippe beim großen Exodus schlicht vergessen wurde. Der lakonische Manni wird zum unfreiwilligen Beschützer der Nervensäge, die Ärger wie magisch anzieht. Zuerst wird Sid von zwei Rhinozerossen verfolgt, dann setzt er es sich in den Kopf, ein Menschenbaby, dessen Mutter bei einem Angriff von Säbelzahntigern ums Leben kam, zu seinem Volk zurückzubringen.
Zu ihnen stößt Säbelzahntiger Diego, der ihnen den Weg zu den Nomaden weisen will. In Wahrheit aber muss er sie in einen Hinterhalt locken, denn sein Chef Soto ist ganz wild auf zartes Babyfleisch und hat auch gegen ein Mammut-Menü nichts einzuwenden.
In ihren Grundzügen ähnelt die Geschichte dem Disney-Klassiker "Das Dschungelbuch" mitsamt seiner humanistischen Botschaft: Eine Ethik der Freundschaft und des Mitgefühls löst das darwinistische Fressen und Gefressen werden ab. Vorzüglich ist aber die computeranimierte Gestaltung der altbekannten Tiersamariter, bei der diesmal nicht wie in "Shrek" und "Monster AG" DreamWorks und Disney miteinander konkurrieren, sondern ein dritter Mitspieler auftrumpft: Die 20th Century Fox erweist sich den beiden Trickfilm-Giganten fast als ebenbürtig.
"Ice Age" ist weniger "sophisticated", steckt aber dennoch voller origineller Ideen, die jedes populärwissenschaftliche Detail nutzen, um eine "Eiszeit für Anfänger" mit Slapstick und Wortwitz zu veranschaulichen. In einer Höhle trifft die Reisegesellschaft in einer Eis-Geisterbahn auf ihre eigene Prähistorie: schockgefrorene Dinosaurier mit weit aufgerissenem Maul; die Ruinen von Stonehenge sind Manni nur einen beiläufig-despektierlichen Kommentar wert, und wenn Vulkane und Geysire spucken, gefriert der Wasserdampf zu Instant-Eisplatten, an denen sich Tollpatsch Sid den Kopf einrennt.
Künstlerischer und intellektueller Höhepunkt sind die Felsmalereien - Urzeit-Comics von Jägern, die Manni die Geschichte seiner ausgerotteten Eltern tragisch vor Augen führen.
Starcharakter bekommt die deutsche "Ice Age"-Version durch Otto Waalkes, einer perfekte Stimme für die quengelnde und quasselnde Hauptfigur Sid. Manche werden auch das sonore Organ von Säbelzahntiger Soto wiedererkennen, vertont von der deutschen Robert-De-Niro-Stimme Christian Brückner.
Die niedlichsten Computerpixel gelten aber, trotz seiner elefantösen Ausmaße und riesigen Hauer, dem Mammut Manni mit seinen erstaunlich ausdrucksvollen Augen unter den wolligen Brauen. Man darf gespannt sein, ob das knuffige Fellungetüm demnächst als Kuscheltier in den Kinderzimmern auftaucht.
Als heimlicher Star von "Ice Age" fungiert aber bereits dank Vorab-Trailern im Internet und auf der Leinwand das Eichhörnchen-ähnliche Nagetier Scrat, das als buchstäblicher Running Gag die rührende Story mit einer frechen Rahmenhandlung aufpeppt. Beim Bemühen, eine Nuss zu vergraben, wird der hyperaktive Scrat zum "Deus ex Machina" der Naturkatastrophen und zum lebendigen Beispiel für die Chaos-Theorie. Zum fulminanten Anfang löst Scrat eine Lawine aus, und am Ende... Aber das soll hier nicht verraten werden, um Groß und Klein den Spaß an dieser prähistorischen Komödie nicht zu verderben. Auf diese Eiszeit darf man sich freuen.
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