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Kino-Kritik: Im Bann der borstigen Kobolde

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 20.03.2008 - 12:41

Düsseldorf (RP). Wer hat Mallory die Haare Strang um Strang ans Bett geknotet, so dass die Arme aussieht wie ein meeresmüder Oktopus, der sich mit allen Ärmchen an seine weiche Lagerstatt an Land klammert? In Verdacht steht zunächst einmal Mallorys Bruder Jared, dem auch das Verschwinden mancher Gegenstände im neuen Zuhause seiner Familie angelastet wird.

Nachwuchsdarsteller Freddie Highmore geht auf Tuchfühlung mit den Spiderwicks. Foto: Universal

Er wäre in „Die Geheimnisse der Spiderwicks“ durchaus ein glaubhafter Kandidat für lästigen Schabernack, denn seine Familie – außer ihm und Mallory noch sein Zwillingsbruder Simon (beide spielt sehr aufgeweckt Freddie Highmore) und Mutter Helen (Mary- Louise Parker) – ist ohne den Vater aufs Land gezogen. Offiziell ist das ein Vorausziehen, der Arbeitsüberlastete werde angeblich folgen. Aber die Kinder spüren, dass man sie anlügt, dass die Familie auseinandergebrochen ist. Mark Waters’ „Die Geheimnisse der Spiderwicks“ ist aber die erste Verfilmung einer Fantasybuchreihe von Holly Black und Tony DiTerlizzi, und so gibt es einen ganz anderen Urheber für die seltsamen Ereignisse.

Im Haus von Jared, das einst seinem lange schon verschwundenen Großonkel gehörte, lebt ein leicht erzürnbarer Hauswichtel, der die Eindringlinge gern wieder los wäre. Draußen im Wald, werden die Kinder bald lernen, leben noch sehr viel mehr seltsame Wesen, die keinesfalls alle freundlich oder auch nur ungefährlich sind. Jareds Großonkel hat diese Wesen erforscht, und das Scheusal Mulgarath (Nick Nolte) hätte gerne jenes Buch voller Geheimnisse, dessen Versteck Jared unfreiwilligerweise preisgibt.

Es gibt ein Leben jenseits der sichtbaren Gewöhnlichkeit, der Alltag ist in Wahrheit hohl, und in diesem doppelten Boden versteckt sich das ganz und gar Bizarre. Diese ein wenig bedrohliche, aber auch sehr tröstliche Botschaft liegt Fantasy für junge Leser of zugrunde. Regisseur Mark Waters („Freaky Friday“) und sein Team können den Charme dieser Verheißung wenigstens zur Hälfte auf die Leinwand retten. Die absonderlichen Wesen sind skurril und manchmal interessant, struppig borstig und auch niedlich putzig.

Das große Staunen über eine Erweiterung des Kosmos ins Fantastische aber kann dieser Film nicht vermitteln, früh gehen die Kinder mit den neuen Gegebenheiten um wie mit den Widrigkeiten jeder neuen Nachbarschaft. Was „Die Geheimnisse der Spiderwicks“ interessant hält, das ist sein Gespür für Kompensationsbedarf. Die Trolle, Schrate, Kobolde im Wald wirken wie Produkte kindlicher Fantasie, um Gewicht in ein Leben zu bringen, das vom Verschwinden des Vaters geprägt ist. Dass der Großonkel seit Jahrzehnten in einem Feenreich dämmert, scheint eine Wunschprojektion. Väter gehen nicht, sie werden entführt, und man kann sie befreien.

Das wird nicht mit erhobenem Zeigefinger erzählt, es bietet Kindern nur eine Sichtweise an: Fabelwesen erzählen uns mit ihren bunten Leben von den Lücken unseres eigenen.


 
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