Kino-Kritik: Im Schwitzkasten: Sauna gegen soziale Kälte
zuletzt aktualisiert: 27.03.2006 - 09:22Fünf Menschen, eine Sauna. Der irische Regisseur Eoin Moore ("Pigs will fly") zeigt, wie beruflich frustrierte Berliner mit Massagen, Fangopackungen und Gesichtsmasken gegen die soziale Kälte anzukämpfen versuchen. Seine Komödie behandelt das Thema Arbeitslosigkeit ernst und amüsant zugleich. "Im Schwitzkasten" läuft ab dem 30. März in den deutschen Kinos.
Die Geschwister Nadinchen (Christiane Paul) und Jost Molinski (Charly Hübner) sind die Betreiber der leicht maroden Berliner Sauna "Im Schwitzkasten". Nadinchen ist für die Massagen zuständig, Jost kümmert sich neben den Aufgüssen um das Geschäftliche - mehr schlecht als recht. Jeden Donnerstag machen Toni (Andreas Schmidt), Dani (Esther Zimmering), Karin (Steffi Kühnert), Monika (Laura Tonke) und Norbert (Edgar Selge) schwer auf Wellness.
Im wahren Leben haben sie wenig zu lachen, vor allem beruflich. Toni ist seit drei Jahren arbeitslos, Monika Sozialhilfeempfängerin, Dani verliert ihren Job als Stewardess, und die glücklose Vertreterin Karin versucht ständig, Leuten Versicherungen aufzuschwatzen. Was ihnen allen gemeinsam ist: Vor der sozialen Kälte fliehen sie in die heiße Sauna.
Verkrachte Existenzen
Ein bisschen wirkt die Sauna-Truppe wie eine kleine Familie. Etwas aus dem Rahmen fällt Germanistik-Professor Norbert, der seiner dominanten Politikergattin brav die Reden schreibt, aber insgeheim nach Selbstverwirklichung strebt. In der Sauna verkörpert er die politische Seite, die den verkrachten Existenzen die Stütze kürzt. Um den politischen Bezug der Komödie zu unterstreichen, lässt Moore Norbert mit seiner Ehefrau (Franziska Walser) ab und zu durch das Berliner Regierungsviertel hasten.
Paul ("Das Leben ist eine Baustelle"), die nach einer Babypause ihr Comeback auf der Leinwand feiert, wirkt etwas hölzern in der Rolle der naiven Schwester. Für Schmidt, der zuletzt als intelligenzschwacher Trucker Ronald in "Sommer vorm Balkon" glänzte und bereits zum dritten Mal mit Moore zusammenarbeitete, ist die Rolle des Langzeitarbeitslosen Toni dagegen wie maßgeschneidert. Tonke ("Baader", "Mädchen am Sonntag") überzeugt als etwas hilflose Monika, die nicht weiß, ob sie ihren Freund heiraten oder Frauen in Ruanda helfen soll.
Nach seinem harten Drama "Pigs will fly" über Gewalt in der Ehe zeigt sich der Ire Moore mit seinem neuen Film von der schwarz-humorigen Seite. "Im Schwitzkasten", der den Angaben zufolge in rund 20 Tagen und mit einem Budget von 640 000 Euro entstand, ist ein hübscher kleiner Film über Alltagssorgen und das Bemühen von Menschen, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen.
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