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Thriller "Duplicity"
In zärtlicher Mission

"Duplicity - Gemeinsame Geheimsache"
"Duplicity - Gemeinsame Geheimsache" FOTO: Universal
Im Thriller "Duplicity" spielen Julia Roberts und Clive Owen zwei Agenten, die sich ineinander verlieben, aber nicht aufhören können, falsche Spielchen zu spielen. Ein komplizierter Film mit zu vielen Zeitsprüngen, dafür bestechen Darsteller wie Ausstattung durch ihre Eleganz. Von Frank Noack

New York City, 2008: Zwei Firmenbosse prügeln sich auf dem Flughafen. 2003: Die Agentin Claire (Julia Roberts) stiehlt dem Agenten Ray (Clive Owen) wichtige Dokumente. 2006: Claire und Ray begegnen sich wieder. So geht es den ganzen Film hindurch. Alle fünf bis zehn Minuten erscheint ein Zwischentitel: fünf Jahre früher, drei Jahre später, eine Woche danach.

Erwartet Drehbuchautor und Regisseur Tony Gilroy ernsthaft, dass das Publikum die verschiedenen Zeitebenen überschaut? Bei einem Buch kann man zurückblättern, wenn man die Orientierung verloren hat. Bei einem Film kapituliert man irgendwann und fragt sich: Ist es denn wirklich von Bedeutung, was vor drei Jahren und was vor fünf Jahren passiert ist? Und bald merkt man: Es ist unwichtig. Wie alle Agentenfilme funktioniert "Duplicity" nach dem Prinzip der Nummernrevue: Ein Auftrag wird erledigt, dann folgt der nächste. Claire haut Ray übers Ohr, dann revanchiert er sich und lockt sie in eine Falle, und zwischendurch arbeiten sie als Team. So sind sie nun einmal, die Agenten. Sich zu belügen, gehört zum Job.

Das Besondere an diesem Agentenfilm ist, dass es keine Schießereien und kein Blutvergießen gibt. Es geht auch nicht um die Rettung der Welt, sondern um Hautcreme. Howard Tully (Tom Wilkinson) und Richard Garsik (Paul Giamatti), die sich prügelnden Firmenchefs aus der Eröffnungssequenz, stehen an der Spitze der Kosmetikindustrie und suchen jeder für sich nach einer chemischen Formel, mit deren Hilfe ein weitverbreiteter Schönheitsfehler korrigiert werden kann. Welcher, soll hier nicht verraten werden.

"Duplicity" ist nebenbei auch ein Liebesfilm. Claire und Ray versuchen, ihre Beziehung und ihren Beruf miteinander zu vereinbaren. Geht das bei Agenten? Hat eine Beziehung Bestand, wenn man nie ehrlich zueinander sein darf?

Es ist im Laufe der Handlung immer weniger wichtig, wer von den beiden für Tully und wer für Garsik arbeitet. Vielleicht sind sie sogar Doppelagenten. Es spielt keine Rolle. Wichtig ist die Frage, wie eine Liebe unter widrigen Umständen überleben kann. Man wünscht den beiden, dass sie im Beruf scheitern und mehr Zeit fürs Privatleben haben. Doch um im Beruf zu scheitern, sind sie zu clever.

Wortwitz ist nicht Gilroys Stärke, und so manche Konversation zwischen Claire und Ray hätte pointierter sein können. Gilroy, der sich gnadenlos über den paranoiden Einzelgänger Garsik lustig macht, scheint selbst einer zu sein. Er schreibt seine Drehbücher prinzipiell im Alleingang und lässt keinen Co-Autor zu; sein Stolz verbietet es ihm, die Hilfe eines begabten Witzeschreibers zu beanspruchen.

Eine durchgehende Qualität ist die Eleganz der Inszenierung, der Stars und der Räume, durch die sie sich bewegen. Der Produktions-Designer Kevin Thompson hat exquisite Chefetagen entworfen, die im nächsten Jahr wahrscheinlich mit einer Oscar-Nominierung geehrt werden.

Die beiden Stars geben ein hübsches Paar ab, und doch hätte man noch mehr aus ihnen herausholen können. Julia Roberts merkt man an, dass sie nicht mehr arbeiten muss; ihre Ausstrahlung schwankt zwischen imponierender Souveränität und Müdigkeit.

Und Clive Owen fehlt eine Qualität, die Gilroys letzten Hauptdarsteller auszeichnete: In dem Anwaltsdrama "Michael Clayton" war George Clooney derselbe vollendete Gentleman wie Owen, doch er ließ auch eine gewisse Sanftheit und Verletzlichkeit erahnen. Diese Eigenschaft fehlt Owen, der dringend sein schauspielerisches Repertoire erweitern sollte, wenn er nicht als Dressman für Armani-Anzüge enden möchte.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Quelle: RP
 
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