Isabel Coixets berührender Film "Mein Leben ohne mich"
zuletzt aktualisiert: 01.09.2003 - 10:14Frankfurt/Main (rpo). Einen optimistischen Film über das Sterben einer jungen Frau zu machen, ist das besondere Kunststück, das der Spanierin Isabel Coixet in ihrem dritten Spielfilm "Mein Leben ohne mich" auf berührende Weise gelungen ist.
Der im kanadischen Vancouver spielende und in englischer Sprache gedrehte Steifen kommt ab dem 4. September 2003 in die Kinos, hat aber schon bei seiner deutschen Premiere im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale großes Aufsehen erregt und gehörte zu den Publikumsfavoriten dort.
Das liegt nicht nur in dem heiklen Thema Tod begründet, sondern auch in der behutsamen, ja zärtlichen Machart des 102 Minuten langen Films samt seinen eindrucksvollen Darstellern. Unter diesen ragt Sarah Polley in der Hauptpartie der todkranken Ann, die Abschied vom Leben und ihren Lieben nehmen muss, besonders hervor. Mit geradezu faszinierender Glaubwürdigkeit verkörpert Polley eine junge Mutter, die mit ihrem meist arbeitslosen Mann und zwei reizenden kleinen Töchtern in einem Wohnwagen nahe Vancouver haust. Als Putzfrau an der Universität hält sie die Familie über Wasser, bis sie eines Tages in Ohnmacht fällt.
Der Grund dafür ist dramatisch: Ann hat einen unheilbaren Krebstumor, der ihrem Leben bald ein Ende setzen wird. Nach dem ersten Schock über diese grausame Nachricht reagiert die junge Frau ganz erstaunlich auf die neue Situation. Ann lehnt nicht nur alle lebensverlängernden, aber letztlich wirkungslosen Behandlungen ab, sie verheimlicht auch ihren Zustand der Familie wie den Bekannten. Und Ann beschließt, in ihren restlichen Lebenswochen viel von dem zu tun, wozu sie bislang keinen Mut oder keine Zeit hatte. So verändert sie ihr Äußeres, verliebt sich noch einmal und besucht sogar erstmals den seit langen Jahren im Gefängnis sitzenden Vater.
Große Lebenskraft im Angesicht des Todes
Dabei sorgt sie mit großer Umsicht für die Zukunft ihrer Kinder nach ihrem Ableben vor. Kurzum, in der Zeit ihrer schwersten Prüfung beweist sich Ann als bewundernswerte Persönlichkeit, deren Lebenswille im Angesicht des nahen Todes den Film eine zutiefst optimistische Botschaft vermitteln lässt: Nimm dein Leben in die Hand und mache das Beste daraus. Dem Betrachter wird nur allzu bewusst, wie viel Zeit er im Alltag nur deshalb unnütz verstreichen lässt, weil ihm nicht bewusst ist, wie viel Zeit ihm noch bleibt.
Isabel Coixet hat eindrucksvolle Bilder für ihre traurig-schöne Kinogeschichte gefunden. Dass ein Mensch Abschied vom Leben nehmen muss, ist nicht nur eine Behauptung des Drehbuchs, sondern auch atmosphärisch und optisch dicht realisiert in dem Film. Die Hauptdarstellerin Polley hat selbst ihre Mutter als Kind verloren und musste früh hart arbeiten, um ihre Existenz zu sichern. Die Schauspielerin weiß also, was sie spielt, und sie spielt vielleicht auch deshalb so ins Herz gehend. "Mein Leben ohne mich" ist gewiss das, was als Frauenfilm bezeichnet wird. Aber was erzählt wird und zu sehen ist, geht alle Menschen an.
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