Agentenfilm "The Limits Of Control": Jarmusch: Zwischen Pirsch und Traum
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009 - 11:25(RP). Ein Mann reist im Zug durch Spanien. In einer neuen Stadt angekommen, geht er in eines jener schicken modernen Hotels, die aussehen, als würde das Fremdheitsgefühl der Reisenden hier schonend tiefgefroren. Er trägt eine legere kleine Tasche mit sich, in die Waschzeug, Wechselsocken, ein bisschen Lektüre und eine großkalibrige Waffe passen könnten. Aber es scheint sich bei dieser Tasche in Jim Jarmuschs "The Limits Of Control" um einen jener bodenlosen Zauberbeutel zu handeln, wie sie Menschen in Märchen besitzen.
Der Reisende, den Isaach De Bankolé spielt, ist stets lässig elegant gekleidet. In einer neuen Stadt zieht er seinen Anzug aus, faltet ihn, verstaut ihn in der Tasche und zieht einen neuen, faltenfreien in einer anderen Farbe hervor. Der Reisende weiß, was er will, ohne je aufgeregt, angestrengt gehetzt zu wirken. Er bewegt sich zwischen Pirsch und Traum. Gerne geht er in Museen und schaut sich still, streng, aufmerksam, doch unerschüttert Kunst an, vor allem im Museum Reina Sofia in Madrid.
Wir könnten es bei dem großen Schweiger mit einem Eigenbrötler, Lebenskünstler, Müßiggänger, Philosophen zu tun haben, mit jemandem, der durch ein kleines Vermögen vom Zwang zur Arbeit befreit ist und nun freihändig durchs Leben schlendert, immer darauf vorbereitet, dass ihn das mit einem Erlebnis provoziert. Aber Jarmusch streut in "The Limits Of Control" Elemente des Killer- und Agentenfilms ein. Der Reisende trifft konspirativ immer neue ihm bis dato Unbekannte (u.a. Tilda Swinton, John Hurt, Bill Murray), führt seltsame Gespräche, bekommt obskure kleine Zettelchen in Streichholzschachteln zugespielt und vernichtet die Botschaften nach Durchlesen durch Verspeisen.
Jarmusch mischt dabei Melancholie und absurden Humor, was in seinem Werk so vertraut ist wie das Motiv der Reise. Doch wo etwa "Strangers In Paradise" (1984), "Dead Man" (1995) oder "Broken Flowers" (2005) ein Herz hatten, da sitzt bei "The Limits Of Control" Attitüde, und wo uns die früheren Filme überraschen konnten, da werden wir hier vom Anfang bis zum Ende demselben, etwas mokanten Stilwillen ausgesetzt. Bin ich nicht cool, bin ich nicht schräg, bin ich nicht unglaublich frech in meiner Erklärungsverweigerung, fragt dieser von Christopher Doyle (der viel für Wong Kar Wai arbeitet) adrett fotografierte Mix aus Killeresoterik und Kunstsatire in jeder Szene. Und diese Aufdringlichkeit ist, bei allen netten Details, doch ein wenig uncool.
Bewertung: 2 von 5 Sternen
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