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Kino-Kritik: Jenseits von Gut und Böse

VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 28.08.2008 - 09:31

Düsseldorf (RP). Das kleine Filmland Dänemark hat mit Asta Nielsen, Carl Theodor Dreyer und Lars von Trier drei Giganten des Weltkinos hervorgebracht. Das ist keine schlechte Bilanz angesichts der begrenzten finanziellen Mittel und der Abwanderung begehrter Talente nach Schweden oder Deutschland. Aus Dänemark kam Dogma 95, das gewagteste formale Experiment der letzten Jahre, und mit Mads Mikkelsen verfügt das Land sogar über einen international gefragten Star. Ideale Ausgangsbedingungen, sollte man meinen, für ein Widerstandsdrama aus dem Zweiten Weltkrieg mit Mikkelsen in einer Hauptrolle. Doch das Endergebnis lässt zu wünschen übrig.

Szene aus "Tage des Zorns".  Foto: NFP
Szene aus "Tage des Zorns". Foto: NFP

„Tage des Zorns“ (im Original: „Flammen & Citronen“) gehört mit einem Budget von zehn Millionen Dollar zu den teuersten Produktionen der dänischen Filmgeschichte. Der große Erfolg beim einheimischen Publikum dürfte sich im Ausland nicht wiederholen, da kaum Neues geboten wird. Zu sehr steht „Tage des Zorns“ im Schatten von Paul Verhoevens „Black Book“, der den holländischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer schilderte und nicht davor zurückschreckte, grobes Fehlverhalten der Widerstandskämpfer anzuklagen. „Tage des Zorns“ leistet das Gleiche für Dänemark.

Flame (Thure Lindhardt) und Citron (Mads Mikkelsen) liquidieren Kollaborateure und sind stolz auf ihre Tätigkeit, bis sie aufgrund einer Fehlinformation zwei deutsche Emigranten erschießen, die vor den Nazis geflohen waren. Wie bei Verhoeven tritt eine schöne Doppelagentin auf, und schon wieder ist Christian Berkel als sadistischer Gestapomann mit von der Partie. Eine undurchsichtige Figur verkörpert Hanns Zischler. Die vergleichsweise sanfte Besetzung Dänemarks erleichterte die Kollaboration und erschwerte den Überblick. Die Ambivalenz aller Figuren ist eine Stärke des Films.

Einige historische Details mögen für Nicht-Dänen interessant sein, doch die konventionelle Inszenierung von Ole Christian Madsen wird dem Stoff nicht gerecht. Das liegt auch am Budget. Zehn Millionen Dollar sind für dänische Verhältnisse viel; sie reichen nicht aus, um das Kopenhagen der vierziger Jahre zu rekonstruieren. Oft kommt man sich vor wie in einem zeitgenössischen TV-Krimi.


 
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