Kostümfilm "Die Gräfin": Julie Delpys dunkle Seite
VON ULRICH KRIEST - zuletzt aktualisiert: 25.06.2009 - 10:22(RP). Julie Delpy gibt Interviews, in denen sie erzählt, dass sie derben Männerhumor hat, dass sie Wert auf ihre Unabhängigkeit legt und dass sie die amerikanische Staatsbürgerschaft nur deshalb angenommen hat, um Bush abwählen zu können.
Mit ihrem neuen, zweiten Spielfilm nach "2 Tage Paris" wollte sie auch von ihrer dunklen Seite erzählen. Dafür ist die mythenumrankte Geschichte der ungarischen "Blutgräfin" Erzebet Bathory (1560-1614) ein perfekter Filmstoff: Frühe Neuzeit, dekadenter Adel auf dem Balkan, Ränke und Intrigen, gequälte Jungfrauen. Der Gräfin wird nachgesagt, sie habe 650 Mädchen umbringen lassen, um in deren Blut zu baden.
Entstanden ist die Schmonzette einer machtbewussten Frau, gespielt von Delpy, die sich in den viel jüngeren Istvan (Daniel Brühl) verliebt. Als diese Beziehung durch eine Intrige hintertrieben wird, glaubt die Gräfin, es handle sich um Zurückweisung aus Altersgründen und verfällt dem Wahnsinn. "Die Gräfin" will vieles sein: ein Sittengemälde aus ferner Zeit, eine unvollendete Romanze, eine pathologische Studie und auch Horrorfilm. Doch leider ist der Filmemacherin trotz prominenter Besetzung mit William Hurt, Sebastian Blomberg, Anna Maria Mühe und Adriana Altaras keine komplexe Persönlichkeitszeichnung gelungen, sondern nur ein unausgegorenes "Ja, aber" im Zeichen eines Old-School-Feminismus à la Alice Schwarzer.
Bewertung: 2 von 5 Sternen
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






