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Film-Kritik: Katze im Sack: Melancholie und Sehnsucht

zuletzt aktualisiert: 11.04.2005 - 08:47

Drei Menschen, drei Wege, die sich in einer dunklen Nacht in Leipzig kreuzen. "Katze im Sack" ist der düstere Debütfilm von Nachwuchsregisseur Florian Schwarz. Sein Abschlussfilm an der Ludwigsburger Filmakademie war erfolgreich und gewann den First Steps Award 2004. Diese Serie setzt sich fort: "Katze im Sack" erhielt auf dem diesjährigen Filmfestival in Saarbrücken den Drehbuchpreis und den Filmmusikpreis.

Im Zug nach Leipzig lernt der junge Herumtreiber Karl (Christoph Bach) die hübsche Kellnerin Doris (Jule Böwe) kennen. Als sie sich gegenseitig bestehlen, ist das fast der Beginn einer Liebesgeschichte. Beide verbindet eine innere Leere. Karl betäubt sie durch eine Kette von Abenteuern, Doris flüchtet sich in eine Beziehung zu dem 20 Jahre älteren Sicherheitstechniker Brockmann (Walter Kreye).

Brockmann ist Stammgast in der Karaoke-Bar, in der Doris kellnert. Dort treffen sich auch Karl und Doris wieder. Eine ungewöhnliche Wette bildet den Startschuss zu einer erlebnisreichen Reise ans Ende der Nacht.

"Katze im Sack" sei ein Film über Sehnsucht, betont der 1974 in Koblenz geborene Regisseur Florian Schwarz und fügt hinzu: "Mit den Sehnsüchten ist es wie mit der Katze im Sack: Manchmal sollte man den Sack lieber zulassen - wenn man nur könnte..." Schwarz konnte es nicht, und so können die Kinogänger ein 'Hardcore-Melodram' über drei Leipziger Nachtgestalten ansehen, die vereinsamt und desillusoniert mit ihrem öden Alltag hadern und sich in geradezu selbstquälerischer Manier von denjenigen trennen, die sie mögen.

Jule Böwe, Christoph Bach und Walter Kreye verleihen dem Trio, das in seinen Irrungen und Wirrungen seltsam normal und zugleich faszinierend unberechenbar wirkt, eine große Authentizität.

Indem der Regisseur auf Gestaltungsmittel des Film-Noir-Thrillers zurückgreift, setzt er sich energisch von der TV-Ästhetik ab, die viele deutsche Studentenfilme prägt. Zwar schießt Schwarz in dieser nur 80.000 Euro teuren Produktion mit seinem forcierten Stilisierungswillen gelegentlich über das Ziel hinaus, der Wille zu leinwandfüllenden Bildern lässt sich aber nicht übersehen.

Zu den rauen Bildern und dem zuweilen ruppigen Rhythmus hat Fabian Römer eine kantige Großstadtmusik geschrieben, die auch vor falschen Karaoke-Tönen nicht zurückschreckt und zu der die Bands "2Raumwohnung" aus Berlin und "Slut" aus München ihr Scherflein beigetragen haben. Als kraftvolles Filmdokument des Zeitgeistes atmet "Katze im Sack" in jeder Szene die Melancholie der Jahrtausendwende-Generation und die Stagnation der Schröder-Ära.

Quelle: afp

 
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