Baseballdrama um den Coach eines Kinderteams: Keanu Reeves in "Hardball"
zuletzt aktualisiert: 06.05.2002 - 16:00Hamburg (rpo). Conor O´Neill (Keanu Reeves) ist total verschuldet. Nur deshalb übernimmt er den Job, ein Kinder-Baseballteam zu trainieren. Doch die Kids stammen aus den schlimmsten Ghettos der Stadt und stellen Conor nicht nur vor sportliche Aufgaben.
Heillos in Spielschulden gefangen ist dieser Conor O'Neill. Eigentlich ist er kein schlechter Kerl, dazu als Mann attraktiv. Aber Conor hat einen schwachen Charakter, kein Ziel und treibt seinem persönlichen Offenbarungseid entgegen. Da hat er verdammt Glück, dass ihm der befreundete Investmentbanker Jimmy Fleming eine letzte Chance gibt, aus der lebensgefährlichen Schuldenfalle heraus zu finden. Fleming will Conor das fehlende Geld unter einer Bedingung geben: Der Tunichtgut soll eine Gruppe schwarzer Getto-Kids im Baseball trainieren.
Conor ist alles andere als begeistert von dieser Idee, hat aber keine Wahl mehr. So lässte er sich auf ein Abenteuer ein, das ihn verändern wird, ja sogar noch mit Liebesglück verbunden ist. Und eine Gruppe Kinder, für die kein freundlicher Platz im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vorgesehen war, findet unter Conors Leitung etwas ganz neues: Anerkennung und Erfolg. Das ist die Geschichte des amerikanischen Films "Hardball", der am 9. Mai in die Kinos kommt. Und wer den Verdacht hegt, es könnte sich um eines jener schamlos kitschigen Leinwandmärchen handeln, die Hollywood so reich gemacht haben, liegt absolut richtig.
Trotzdem hat der von dem auf Sportdramen spezialisierten Brian Robbins inszenierte Film einige Qualitäten, die vielleicht sogar ganz unbeabsichtigt waren. Denn er gibt den Blick frei auf ein soziales Milieu, das himmelweit von Glanz und Glamour Hollywoods entfernt ist. Wenn die Kamera in den im Inneren völlig verwahrlosten Mietskasernen der schwarzen Fürsorgeempfänger herumstreift, dann wird klar, unter welchen elenden Umständen gerade Kinder und Jugendliche aufwachsen. Dieses Milieu ist geradezu eine Einbahnstraße in die Kriminalität. Ob die Begeisterung für Baseball daran etwas ändern wird, sei füglich bezweifelt.
Hauptdarsteller ohne Glaubwürdigkeit
Trotz seines bemerkenswert ungeschönten Blicks auf erschreckende amerikanische Realitäten gebraucht der Film diese nur als Hintergrund für eine rührselige Geschichte. Hauptanliegen ist vielmehr die ungewohnte Präsentation des Action-Stars Keanu Reeves, der die Hauptfigur Conor verkörpert. Der smarte Reeves, berühmt für teilnahmslose Gesichtsmuskeln in jeder Lebenlage, ist als Sozialarbeiter (wider Willen) so überzeugend wie Meg Ryan als Porno-Darstellerin. Und die schöne Diane Lane, die als Lehrerin auftritt, ist auch nicht gerade jener Typ Frau, der an Unterschicht-Schulen zu versauern droht.
"Hardball" wird aber nicht wegen seiner unglaubwürdigen Hauptdarsteller ohne besonderen Erfolg auf dem deutschen Markt bleiben. Vielmehr ist es die hier zu Lande nach wie vor unverständliche Sportart Baseball, die wenig Anreiz zum Kinobesuch gibt. Sehenswert sind jedoch die kleinen dunkelhäutigen Darsteller, die mit viel Freude ihre Rollen ausfüllen. Auch die Begegnung mit ihnen ist das, was mit diesem ansonsten überhaupt nicht erinnerungswürdigen Film dann doch versöhnt.
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