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Kino-Kritik: Kein Platz im Schrank

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 14.02.2008 - 09:26

Düsseldorf (RP). Heiliger Nähfehler, ist das ein Kostümverleih für ätzende Kitschkarikaturen? Nein, muss man diese in den Kopf schießende Frage leider beantworten, nachdem man Janes Kleiderschrank und Arbeitsplatz in „27 Dresses“ auch nur kurz begutachtet hat.

Jane  Nichols (Katherine Heigl) hat Probleme mit ihrem Kleiderschrank - und der Männerwelt.  Foto: Foxfilm
Jane Nichols (Katherine Heigl) hat Probleme mit ihrem Kleiderschrank - und der Männerwelt. Foto: Foxfilm

Jane Nichols (Katherine Heigl aus der TV-Serie „Grey’s Anatomy“) arbeitet als professionelle Hochzeitsorganisatorin bei einer Agentur für edle Feste, und zum Standardprogramm der Luxusklasse gehört auch, dass die Brautjungfern uniformiert erscheinen, in Modellkleidern von kostspieliger Scheußlichkeit, die mit ihrem Stilmix aus Teehausgeisha, Flugbegleiterin, Abschlussball-Königin und Wall-Street-Luder die Einmaligkeit des Ereignisses unterstreichen sollen.

Jane bewahrt die Kleider nicht bloß als Erinnerungen an schöne Stunden und Erfolge auf, sie hegt sie als Ränder einer offenen Wunde: Sie würde doch gerne selbst den Richtigen finden. Diesen altmodischen Begriff darf man hier durchaus verwenden. Obwohl die in Frage kommenden Männer (Edward Burns, James Marsden) und konkurrierende Frauen alle diverse Defekte haben, suggeriert der Film, dass irgendwann nach dem Abrasieren kleiner Struppigkeiten das weiche, flaumige, ewige Glück zutage treten wird.

Geht es also um Romantik, um den Glauben an die im Himmel geschmiedeten Bindungen, um die vielfältige emotionale Aufladung der Hochzeit in Weiß? Regisseurin Anne Fletcher versucht ziemlich kraftlos und uninspiriert, uns das glauben zu machen.

Aber ihr Abnudeln verbrauchter Bilder, Gags und Niedlichkeiten lässt schnell offenbar werden, dass es nicht um die Hochzeit in Weiß, sondern um die Hochzeit ins Geld geht. Wie viele andere Familienund Hochzeitsfilme der letzten Jahre zelebriert auch „27 Dresses“ hinter der Maske großer Gefühle die aus Tradition und Wertesymbolik in reine Macht- und Vermögensdemonstration ausbrechende Repräsentationsfreude des Neureichenbarock.

Die angeblich wunderbaren Hochzeitsfeiern haben etwas nagend Unangenehmes. Sie verströmen die Kälte einer verächtlichen Huldigungsforderung, gegen die Coppolas große Mafiahochzeit in „Der Pate“ wie ein richtig gemütlicher Familientreff wirkt. Das Drehbuch zu „27 Dresses“ stammt von Aline Brosh McKenna, die schon das Skript zum sehr viel besseren „Der Teufel trägt Prada“ geliefert hat. Man würde sich vor soviel fieser Einfalt am liebsten im Schrank verstecken, wenn es da noch Platz hätte.


 
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