Kino-Kritik: Kevin Spacey verführt die Jugend
zuletzt aktualisiert: 10.04.2008 - 09:49Düsseldorf (RP). Man hatte ihn ja schon vermisst, den guten Kevin Spacey, der einst wie aus dem Nichts auftauchte und mit denkwürdigen Auftritten in „Sieben“, „Die üblichen Verdächtigen“ oder „American Beauty“ faszinierte. Nun ist der Ausnahmeschauspieler wieder da, wie immer ein wenig zwielichtig, selbst in der Rolle eines Mathe-Professors, der eine auserwählte Gruppe von Studenten dazu verführt, auf legale Weise die Casinos von Las Vegas auszunehmen.
Packende Szenen am Spieltisch So sieht man Spacey gerne, als charismatisch verschlagenen Leitwolf hochbegabter Blitzdenker, die mit einem ausgeklügelten System von geheimen Zählmethoden und Signalen beim Black Jack, auch 17 und 4 genannt, absahnen. Doch leider räumt ihm der bisherige Komödien- Spezialist Robert Luketic („Natürlich Blond“, „Das Schwiegermonster“) nur wenig Raum ein. Denn der Regisseur rückt vor allem den schüchternen Rechenkünstler Ben (Jim Sturgess) in den Mittelpunkt, der vergeblich vom Studium an einer Elite-Uni träumt und so im Trüppchen des durchtriebenen Dozenten strandet.
Des Jünglings linkische Unbeholfenheit erinnert anfangs ein wenig an Dustin Hoffmans „Reifeprüfung“, aber sobald sich der Knabe wie ein junger Tom Cruise vom brav gekämmten Musterschüler mit altem Fahrrad flugs zum übermütigen Anführer der Kartentrickser mausert, der sogar seinem Lehrer die Show stehlen will, wundert man sich schon, warum das alles so geschmiert läuft. Luketic jagt durch die Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht (in den 90er Jahren nahm tatsächlich eine Gruppe von Studenten mit mathematischer Präzision die Spielhöllen der Staaten aus), und schmückt das alte Lied vom schnellen Glück mit vielen Fäden aus, die aber nur selten in die Tiefe gehen.
Ein wenig Coming-of-Age-Gemurmel und ein bisschen Vaterund- Sohn-Getue, der zu Kopf steigende Reichtum und die obligatorischen Spannungen innerhalb der Gruppe, dazu noch eine Liebesgeschichte und eine Prise Thriller- Aufregung, wenn Laurence Fishburne als Security-Chef im Spielerparadies den Studenten auf die Spur kommt. Doch so wenig überzeugend die Konflikt-Elemente des Films auch sind, so packend wird es, wenn es an die Spieltische geht.
Luketic inszeniert die Kartenmanöver sehr effektiv und spannungsgeladen, auch wenn dem Normalsterblichen die rechnerischen Kunststücke der Nachwuchszocker schleierhaft bleiben dürften. So entpuppt sich „21“ als unbekümmertes, flott inszeniertes Blendwerk, das geschmeidig seine Kreise zieht, ohne den Figuren zu nahe zu kommen. Aber oberflächlich war „Ocean’s Eleven“ im Grunde ja auch.
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