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Film-Kritik: "Kill Bill 2": Die Tränen der blonden Riesin

zuletzt aktualisiert: 20.04.2004 - 12:49

Quentin Tarantino präsentiert im "Kill Bill: Vol. 2" ein fabelhaftes Menü aus Kung-Fu und Spaghetti-Western. Ebenso wie im ersten Teil hat der Regisseur in verkannte Genrefilme der 70er Jahre geplündert und seine Schlachtplatte um weitere Gänge ergänzt. Die Fortsetzung des Massakers kommt am 22. April in die Kinos.

Im Zentrum des Doppelspektakels steht ein Massaker: "die Braut", eine hochschwangere Ex-Killerin, wird vor dem Traualtar samt Hochzeitsgesellschaft von ihren ehemaligen Kollegen und ihrem Ex-Liebhaber und Chef Bill niedergemetzelt. Nach vier Jahren aus dem Koma erwacht, startet sie einen gnadenlosen Rachefeldzug, dessen erster Teil mit dem Satz endete "Weiß sie, dass ihr Kind lebt?"

In "Kill Bill 1" hakte sie zwei Namen auf ihrer Todesliste ab, und nun warten noch drei weitere auf ihre Erledigung. Die Fortsetzung jedoch beginnt einer lyrischen, schwarz-weißen Rückblende auf die Minuten vor dem Massaker, in dem "die Braut" vor der Kirche Bill begegnet, der sich in kryptischen Andeutungen ergeht. Die nachfolgende Schlachterei wird ausgespart - wie überhaupt die zweite Hälfte dieses Menu Surprise weniger blutig ausfällt als das extrovertierte Actionspektakel "Kill Bill Vol.1" befürchten ließ.

Selbstbewusst setzt Tarantino nicht nur die Kenntnis des Vorläuferfilms voraus, sondern mutet dem auf Action geeichten Publikum zudem Dialoge, meditative Kamera-Einstellungen und sogar eine tragische Liebesgeschichte zu. "Die Braut", deren wirklicher Name Beatrix Kidoo lautet, haut sich mit ihrem Super-Duper-Samuraischwert zwar unbeirrt den Weg frei, um am Ende mit dem Leibhaftigen Bill das finale Duell auszutragen. Doch Rückblenden und Abschweifungen in Nebengeschichten verleihen ihrer Mission einen anderen, melancholischeren Rhythmus, bei dem mehr Tränen als Blut fließen.

Wie ein genialischer DJ kompiliert Tarantino manche lange Nahaufnahme und introspektive Charakterstudie mit B-Movies der 70er, spielt mal auf Spaghetti-Western, mal auf "Eastern" mit Kung-Fu und weißbärtigen Shaolin-Mönchen an - stets begleitet von der passenden Musik etwa von Ennio Morricone, dem im Abspann ausdrücklich gedankt wird, und von einer großen Portion Aberwitz. Dabei gräbt er zugleich, wie bereits in "Pulp Fiction" mit John Travolta und "Jackie Brown" mit Pam Grier, ehemalige Stars aus; diesmal sind es unter anderen die Kung-Fu-Ikone David Carradine als wettergegerbter, charismatischer Bill und Daryl Hannah, die ebenfalls ihre beste Zeit hinter sich zu haben schien.

Als einäugige Killerin, die auf Beatrix' Hattori-Hanzo-Samuraischwert so scharf ist wie auf eine Gucci-Handtasche, stürzt sie sich in einen Kampf zwei blonder Riesinnen, der nichts an Grausamkeit und Drive zu wünschen übrig lässt. Und die mit 1,83 Meter baumlange Uma Thurman wankt durch die texanische Wüste wie einst Clint Eastwood in seinen besten Zeiten und wird sogar lebendig begraben.

Eine Frau, die vom großen Meister Pei-Mai in der Kunst der fünf Todesgriffe ausgebildet wurde, kann so was freilich nicht erschüttern. Schon gar nicht ihr geliebter Todfeind Bill, der sich als arger Quasselfritze und damit vielleicht als das Alter Ego des etwas zu selbstverliebten Quentin Tarantinos entpuppt. Wie ein kleiner Junge, der stolz seine Spielzeuge vorzeigt, referiert der Egomane über Popkultur - und versteckt sich hinter seinen auslegbaren Geschichten und Gleichnissen.

Doch angesichts seiner geliebt-gehassten Muse Beatrix nützt Bill sein Drumrum-Gelaber nichts. Sollte "Kill Bill" ein modernes Beziehungskisten-Drama sein? Der leicht irre Tarantino jedoch windet sich aus jeder Handlungs-Sackgasse mit solch grandioser Eleganz heraus, dass man ein ums andere mal applaudieren möchte. Neben der vielbeklagten Gewalt weist dieses Spektakel eben auch Energie, Witz und ein seltenes Gespür für Ästhetik und Bewegung auf - ein Triumph der Form über den Inhalt, und sehr unterhaltsamer Nonsens.


 
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