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Wickie und die starken Männer
  Foto: Constantin Film
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"Wickie und die starken Männer" nun im Kino: Kinderquatsch mit Wickie

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 10.09.2009 - 09:49

(RP). Komiker Michael "Bully" Herbig bringt die erfolgreiche Zeichentrickserie über die Abenteuer des klugen kleinen Wikingers Wickie nun als Realverfilmung ins Kino. Leider findet der Film nicht die rechte Balance zwischen Klamauk und anspielungsreichem Humor.

So eine große und mächtige Tröte, eine enorme, wie ein gefangenes Ungeheuer an Ketten von der Decke hängende Alarmhornschnecke, wie klingt die wohl? In "Wickie und die starken Männer", der neuen Komödie von Michael "Bully" Herbig, klingt die Tröte zunächst einmal, als quäle sich ein Blechstinktier mit Darmblähungen herum. Das Ding lamentiert unterm Blasedruck eines ungeeigneten Spielers kläglich vor sich hin. Die Kinder im Kinosaal bekommen den Furzwitz sofort mit und kichern vor sich hin. Erwachsene aber könnten sich nun die Haare raufen: Schon wieder Furzwitze im deutschen Kino? Sind die Gagschreiber alle in die USA ausgewandert, um dort TV-Serien zu betreuen? Der Regisseur und Autor Bully Herbig fährt solcher Meckerei stets in die Parade. "Wickie und die starken Männer", sagt er, sei eben kein Film für Groß und Klein und Mittel, er sei von vornherein für Kinder gedacht gewesen.

Teils Kinderfilm, teils Klamauk für Erwachsene

Das ist nicht einmal eine Schutzbehauptung. Der Wikingerknabe Wickie entstammt ursprünglich den Kinderbüchern des Schweden Runer Jonsson. Mitte der siebziger Jahre lief die in Japan mit europäischer Beteiligung produzierte Zeichentrickserie mit dem gleichen Titel wie Bullys Film auch im deutschen Fernsehen höchst erfolgreich. Bully Herbig, Jahrgang 1968, gehört also zu jenen Erwachsenen, die den Kindern von heute, die bei Wickie zunächst an Wikipedia denken, gerne die Helden der eigenen Prägungsphase schmackhaft machen würden. Aber ganz konsequent geht Herbig nicht vor, auch wenn sich sein "Wickie"-Film in vielen Passagen mit einfachen, aber keinesfalls schlampig umgesetzten Späßen begnügt, wenn er den agilen kleinen Rotschopf Wickie (Jonas Hämmerle) immer wieder als schlauesten und darum eben auch nützlichen Partner der Erwachsenen zeigt. Die Erwachsenen, das sind ein paar enorm dicke und ein paar zottelig hagere, aber im Kopf ungeschlachte Hornhelmkrieger, die lieber große Worte schwingen als das Schwert, aber lieber das Schwert benutzen als den Kopf.

In diese kindliche Welt baut Herbig doch wieder jede Menge Anspielungen ein, mit denen Kinder wenig anfangen können. Er selbst etwa ist als spanischer Höfling am Rand des Films unterwegs, als Reporter eines offenbar weltweit agierenden Depeschendienstes, der ein kleines Ledernotizbüchlein mit Federkeil wie einen Minicomputer dauernd mit Eingaben füttert. Die Figur ist überflüssig, aber sie weist auf das Rückgrat des Humors hier: nicht Slapstick, sondern Anachronismus. Dass die Wikinger (unter anderem Waldemar Kobus, Jürgen Vogel, Jörg Moukaddam) modern reden, dass die Frauen ihre Männer unter dem Pantoffel haben, dass Wickie mit Holz und Leder und Bindfaden Techniken entwickelt, die den Wikingern noch gar nicht zur Verfügung standen, dass er sogar Drachenschiffe fliegen lässt, soll für Lacher sorgen und amüsiert die Kleinen auch. Aber ein wenig wirkt dieser doch immer wieder um die Erwachsenen buhlende Film mit seinen eher faden Späßen für eben diese Erwachsenen auch verunsichert. Als wisse Bully Herbig nicht, ob er solchen Blödsinn den Großen weiter anbieten soll.

Herbig sucht sich selbst

Solch eine Verunsicherung wäre auch nur all zu verständlich. Herbig hat sich erst als Quatschmacher im Radio und im Fernsehen hochgearbeitet und dann zwei Kinohits in Folge gehabt, die zwischen Schenkelklopfergags und Dümmlichkeiten hie sowie der Persiflage auf eben solche Grob- und Doofheiten pendelten, "Der Schuh des Manitu" (2001) und "(T)Raumschiff Surprise" (2004). Damals war Bully Herbig Kassenkönig im deutschen Kinogeschäft, der Mann mit dem direkten Draht zum Volk, der auf Förder- und Sendergremien nicht viel geben musste. Aber mit seinem Realfilm-Animations-Mix "Hui Buh – Das Schlossgespenst" (2006) und der reinrassigen Computeranimation "Lissie und der wilde Kaiser" war Herbig dann weit weniger erfolgreich.

Zugleich war Herbig aber als Moderator der deutschen Filmpreisgala über sich hinausgewachsen und hatte echte Entertainer-Qualitäten gezeigt, Schlagfertigkeit, Eleganz der Blödelei, Selbstironie. Es mag gut sein, dass er sich in der alten Haut nicht mehr so recht wohlfühlt, sich aber auch noch nicht ganz hinaustraut. So macht er denn einen Film, von dem er guten Gewissens sagen kann, er sei für Kinder gedreht, am meisten vielleicht für das Kind in Bully Herbig, das noch einmal Wickie treffen wollte, der jedes Problem lösen kann. Vielleicht hat Bully sich mit Wickie beraten, wie es weiter gehen soll mit einem, der gescheiter ist als er tut.

Bewertung: 2 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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