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Film-Kritik: King Arthur: Der letzte Römer

VON RUPERT KOPPOLD - zuletzt aktualisiert: 19.08.2004 - 15:30

In Antoine Fuquas Film „King Arthur“ mit Clive Owen in der Titelrolle wird die uralte Geschichte vom Mythos befreit und in einen historischen Rahmen gestellt. Gut tut ihr das nicht unbedingt.

Mit den fiktiven Erzählungen von der sagenhaften Artuswelt; von dem König, der souverän ein Reich regiert; von der prächtigen Burg Camelot, deren Glanz in die Welt hinausstrahlt; von den edlen Rittern der Tafelrunde, die schließlich hinausziehen, den Heiligen Gral zu finden - mit diesen Erzählungen also feierte und idealsierte sich der gar nicht immer edle Adel im Mittelalter selber.

Aber die Attraktion dieser Geschichten, die vom Untergang und von der Utopie zugleich handeln, war so groß, dass sie das Mittelalter überlebt haben und immer weitererzählt wurden, sei es in der Literatur von T. H. White oder Marion Zimmer Bradley, im Comic von Hal Foster („Prinz Eisenherz“) oder im Kino von John Boorman („Excalibur“).

Und nun also weitererzählt wird von David Franzoni (Drehbuch), Antoine Fuqua (Regie) und Jerry Bruckheimer (Produktion) in einem Film, der sich einen historischen Anspruch zurechtbastelt. In einem Insert zu Beginn wird behauptet, die Sage basiere auf Realität; King Arthur sei eine historische Figur aus dem 5. Jahrhundert, ein in römische Dienste gepresster Mann aus Osteuropa, der als Lucius Artorius Castus im Norden der britischen Inseln für das sich auflösende Imperium kämpft.

Es dauert ein bisschen, bis das alles erklärt ist; es dauert also, bis diese Geschichte endlich beginnen kann. Und es dauert dann leider auch, bis sie zu Ende ist. Denn so interessant sich der realistisch-historische Ansatz anhört: in der filmischen Ausführung hat er sich bald von selber erledigt.

Wie das dreckige Dutzend lässt der Film Arthur (Clive Owen) und seine Ritter auftreten und einen aus Rom angereisten Bischof beschützen vor dem Angriff des Piktenführers Merlin (Stephen Dillane). Wilde, kampferprobte Kumpel sind diese Söldner des Imperiums, die sich wie ihr Anführer Namen aus der alten Artussage borgen und Lancelot (Ioan Gruffud), Tristan (Mads Mikkelsen) oder Galahad (Hugh Dancy) heißen, sich aber wie Dick, Joe oder Harry benehmen.

Nun, nach fünfzehn Jahren Soldatendienst, müssten sie entlassen werden und schmieden auch schon Pläne für die Freiheit; der Bischof aber zwingt sie, einen letzten Auftrag anzunehmen. Eine römische Villa im Norden wird von den Sachsen bedroht; sie sollen die Bewohner heraushauen und retten.

Arthur würde den Auftrag wohl auch ohne Zwang annehmen, er glaubt an Rom als zivilisatorische Macht, während sein Freund Lancelot sagt: „Du kämpfst für eine Welt, die es nie geben wird - sie wird immer ein Schlachtfeld sein.“ Aber solche Sätze gehen unter in einer immer banaler werdenden, sich auch immer mehr verzettelnden Geschichte, die sich durch Hans Zimmers Musik akustisch zwar ungeheuer aufbläht, visuell aber so klein bleibt, dass sie eigentlich ins Fernsehen gehört.

Wenn Arthur aus einem Folterkeller der römischen Villa dann die schöne Merlin-Tochter Guinevere (Keira Knightley) befreit, wird dieser Film dann sogar richtig albern. Guinevere nämlich tritt in den Schlachten gegen die Sachsen als treffsichere Bogenschützin in einem knappen Strick-Dress an, mit dem man auch in der Disco auftreten könnte. Am Ende hat Arthur dann nicht nur die Sachsen geschlagen, sondern sich auch vom römischen Reich losgesagt und wird von Merlin und den Seinen in einer sehr nach Pappmaché aussehenden Hinkelstein-Kulisse zum Herrn von Britannien ausgerufen.

Die Geschichte mit Excalibur, also die mit dem Schwert im Stein, hat der Film, so als wäre ihm das peinlich, zwischendurch mal ganz schnell in einer Rückblende erledigt. So haben wir nun also einen König-Arthur-Film, der keine Sage sein will. Müssten wir aber eigentlich gar nicht haben.

Quelle: Rheinische Post

 
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