Auffahrunfall mit Folgen: Kinodrama "Spurwechsel"
zuletzt aktualisiert: 04.11.2002 - 14:28Frankfurt/Main (rpo). Der Anwalt Gavin (Ben Affleck ) und der Versicherungsangestellte Doyle (Samuel L. Jackson) krachen mit ihren Autos beim Spurwechsel aufeinander. Jeder von ihnen ist zu einem wichtigen Gerichtstermin unterwegs. Gavin verliert am Unfallort aber wichtige Unterlagen, die Doyle an sich nimmt. Ein erbitterter Kleinkrieg um die wertvollen Dokumente beginnt. Kinostart des Thrillers ist am 07.11.2002.
Gavin Banek ist ein ehrgeiziger junger Anwalt, der sich auf dem Weg nach oben wähnt. Auf dem Weg nach unten hingegen ist der schwarze Versager Doyle Gibson, der von Frau und Kindern verlassen wurde.
Banek, gespielt von Hollywoods Jungstar Ben Affleck, ist ebenso auf dem Weg zu einem Gerichtstermin wie der von Samuel L. Jackson betont düster verkörperte Gibson, als die Autos der beiden Männer auf einer viel befahrenen Verkehrsader der Metropole kollidieren. Banek wie auch Gibson stehen unter enormem Zeitdruck; die aus dem Unfall resultierenden nervösen Reaktionen haben dramatische Folgen. Denn der Anwalt sucht im Gericht verzweifelt nach einem wichtigen Dokument, das sich so plötzlich wie unabsichtlich im Besitz Gibsons befindet. Was mit Ruhe und Übersicht durchaus zu reparieren wäre, läuft von nun an völlig aus dem Ruder, die Ereignisse eskalieren.
Der britische Hollywood-Debütant Roger Michell präsentiert mit "Spurwechsel" einen Film der anspruchsvolleren Art, in dem auch wenig verborgen Kritik am amerikanischen wie auch wohl am westlichen Lebensstil überhaupt zum Ausdruck gebracht werden soll. Michael Tolkin, der zusammen mit Chap Taylor das Drehbuch verfasste, hat auch Robert Altmans bissigen Film "The Player", eine Abrechnung mit der Glitzerwelt Hollywoods, verfasst. Tolkin ist ein Autor, der etwas tiefer schürft, aber in "Spurwechsel" nicht tief genug, um die Strukturen einer Gesellschaft sichtbarer zu machen, die Menschen wie Banek und Gibson sowohl formt wie deformiert.
Aber das ist auch kaum zu verlangen von einem Film, der nun einmal viel Geld einspielen soll und das übrigens in den USA auch bereits getan hat. Das beweist übrigens, dass dort ein breites Interesse an Problemstoffen durchaus vorhanden ist. Negativ fällt die sehr ungleichgewichtige Leistung der beiden Hauptdarsteller ins Gewicht. Jackson füllt seine Rolle jederzeit überzeugend aus. Er ist einer, der bald nichts mehr zu verlieren hat, dessen Zorn und Frust in blinden Hass umzuschlagen droht. Ist der mörderische "Sniper" von Washington wirklich so weit von diesem Charaktertypen entfernt anzusiedeln?
Affleck beweist hingegen einmal mehr, dass gutes Aussehen kein Ersatz für mangelndes Talent sein kann, auch nicht in Hollywood. Dieser derzeit vielbeschäftigte Schauspieler ist völlig überfordert, wenn er - wie in "Spurwechsel" - mal mehr als seinen gewohnt leeren Gesichtsausdruck einsetzen soll.
In den Nebenrollen sind mit Toni Collette, Sydney Pollack und William Hurt allerdings erstklassige Darsteller zu sehen. Sie haben guten Anteil daran, eine interessanten, aber nicht konsequent seine Möglichkeiten ausreizenden Film sehenswert zu machen.
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