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Kinokritik "You'll Never Walk Alone"
Der größte Hit des Weltfußballs

Kinokritik: "You'll Never Walk Alone" erzählt die Geschichte der berühmten Fußballhymne
Fußballfans im Gespräch: Schauspieler Joachim Król und Sänger Campino von den "Toten Hosen". FOTO: Verleih
Düsseldorf. Die Doku "You'll Never Walk Alone" erzählt die Entstehung der wohl bekanntesten Fußballhymne der Welt - und das mit einer spannenden Zeit- und Weltreise. Schauspieler Joachim Król, selbst leidenschaftlicher Fußballfan, führt durch den Film. Von Andreas Huber

Wer jemals die Gelegenheit hatte, den Song "You'll Never Walk Alone" im Stadion an der Anfield Road in Liverpool zu hören, der ahnt schnell, warum selbiger als inoffizielle Hymne des Weltfußballs gilt. Und deshalb überrascht es auch nicht, dass die Intonation dieses Liedes auch in den Kick-and-rush-Rummelplätzen von Glasgow, Tokio und natürlich Dortmund zum festen Fan-Ritual gehört.

Wie es dazu kommen konnte, erzählt die gleichnamige Dokumentation von Regisseur André Schäfer (Deutschboden), die die Zuschauer mit auf eine höchst interessante Zeit- beziehungsweise Weltreise nimmt. Als Reiseleiter fungiert der fabelhafte Schauspieler Joachim Król ("Wir können auch anders"), der sich gewohnt charmant, aufrichtig interessiert und mit nicht zu leugnender Leidenschaft scheinbar mühelos durch Zeit und Raum bewegt.

Die Anfänge der Geschichte sind im Budapest zu Beginn des 20. Jahrhunderts verortet. Hier veröffentlicht der berühmte ungarische Autor Ferenc Molnàr das Theaterstück "Liliom", das schnell auch in der K.u.K.-Kapitale Wien erfolgreich ist. Als Molnàr später vor den Nationalsozialisten nach Amerika (1940) flieht, wird "Liliom" als Musical ("Carousel") für den Broadway adaptiert.

Kinostarts der Woche FOTO: dpa

In New York schreiben die begnadeten Komponisten Richard Rodgers und Oscar Hammerstein die Urfassung von "You'll never walk alone", die nicht nur Molnàr überzeugt, sondern auch maßgeblich zum "Carousel"-Erfolg (1945) beiträgt. Die damit einhergehende Hollywood-Verfilmung erscheint beinahe zwangsläufig. Schade nur, dass der als Hauptdarsteller angedachte Frank Sinatra kurzfristig von der Rolle zurücktritt.

Der Song macht trotzdem seinen Weg. Den letzten Kick zur globalen Fußball-Hymne verpasst "You'll never walk alone" dann im Jahre 1963 die Mersey-Beat-Combo Gerry & The Pacemakers. Gegen alle Widerstände, etwa auch von Beatles-Manager Brian Epstein, veröffentlicht die Band das Stück als dritte Single. Sie wird zu einem unerwarteten Nummer-eins-Hit in den englischen Charts, und die Freude über diesen Coup ist Gerry Marsden, dem Sänger des knapp dreiminütigen Original-Songs, in jeder Lachfalte anzusehen.

Marsden ist einer der unterhaltsamsten Zeitzeugen, den Joachim Król im Rahmen seiner Recherchen aufgesucht hat. Weitere Gesprächspartner sind Liverpool-Trainer Jürgen Klopp, Tote-Hosen-Sänger Campino, die BVB-Legenden Norbert Dickel und Lars Ricken, Schauspielerin Mavie Hörbiger, Dirigent Thomas Hengelbrock (Balthasar-Neumann Chor & Ensemble) und der Molnàr-Enkel Maytas Sarkozy.

Diese Filme kommen 2017 ins Kino FOTO: dpa, bsc

Dass die Dokumentation nun exakt 99,09 Minuten dauert, ist mutmaßlich dem Gründungsjahr des BVB und dem "Liliom"-Entstehungsjahr (1909) geschuldet. Nicht alle Seitenstränge der Geschichte haben die gleiche Relevanz. Hätte der Film die Dauer eines Fußballspiels, wäre es auch in Ordnung gegangen. Trotzdem verlässt man das Kino berührt und mit den Silben "Walk on, walk on" auf den Lippen.

You'll Never Walk Alone, Deutschland 2017 - Regie: André Schäfer, mit Joachim Król, 99 Min.

 
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