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Kino-Kritik: Kleine Frau ganz groß

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 24.07.2008 - 08:06

Düsseldorf (RP). Irgendwann ist das Lied auch mal zu hören, das wohl das Leitmotiv geliefert hat für Bernd Böhlichs neuen Film „Der Mond und andere Liebhaber“. Es ist ein Lied der DDRBand Silly und beginnt mit den Zeilen: „So ’ne kleine Frau/ Und so ’ne große Lust/ Und hat schon Kinder dreie/ Und immer noch kein’ Frust/ Und hat schon so gelitten/ Und immer noch so’n Mut/ Und hat so schlaffe Titten/ Und hat so’n heißes Blut.“

Szene aus "Der Mond und andere Liebhaber".  Foto: Neue Visionen
Szene aus "Der Mond und andere Liebhaber". Foto: Neue Visionen

Katharina Thalbach ist diese kleine Frau. Mit knallroten Lippen läuft sie durch ein tristes Leben und wehrt sicht tapfer dagegen, die Dinge so negativ zu sehen, wie sie sind. Dabei ist sie keine Ulknudel, keine naive Dauerfröhliche. Nur eine, die sich immer wieder aufrichtet nach jedem Schlag und die Bluse straff zieht und sagt: „Wat nich jeht, jeht eben nich.“

Doch das ist nur die eine Geschichte in diesem verzweifelt lebensfrohen Film. Die andere handelt vom Mond und der Leidenschaft, die in Katharina Thalbachs Hanna steckt. Ganz wie in der Cher- Komödie „Mondsüchtig“ ist Hanna eigentlich schon zu alt, um so absolut zu brennen für einen Mann. Und ganz wie Cher hält sie Vernunft für ein Gegenmittel und verordnet sich die Ehe mit einem, den sie nicht liebt. Doch anders als in Hollywood folgt darauf nicht die Besinnung samt Happyend. Dafür ist dieser Film zu ehrlich, zu authentisch, zu tief verwurzelt im Osten, wo die Ohnmacht des Einzelnen rauer zu spüren ist als anderswo.

Zugleich ist „Der Mond und andere Liebhaber“ ein Märchen. Das muss man wissen, um die Handlung nicht überfrachtet, Hanna nicht zu heldenhaft zu finden. Märchen dürfen überzeichnen, dürfen rühren wollen. Und das tut dieser Film. Vor allem wegen Katharina Thalbach, die einfach nicht zufrieden sein will mit ihrem kleinen Leben ohne Mann, ohne Job, ohne Romantik.

Sie spielt mit so viel Wut und Wärme, dass man sich ihrer existentiellen Enttäuschung kaum entziehen kann. „Das kann doch nicht alles gewesen sein“, sagt sie mal, und aus ihrem Mund ist dieser Satz Aufforderung und Anklage. Denn der ganze Film handelt davon, dass es eben nicht in der Macht kleiner Frauen liegt, ihr Leben lebenswert zu machen. Die Verhältnisse diktieren das „Wat-nich-jeht,-jeht-nich“ und machen aus Menschen wie Hanna tragische Heldinnen.

Doch da sind ja noch Silly mit ihrem Lied von der Frau, die „schon so gelitten, und immer noch so’n Mut hat“. Den bewahrt sich auch Hanna. Und so bleibt ihr zumindest eins: der Neubeginn – die deutsche Variante des Happyends.


 
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