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  Foto: Concorde
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Literaturverfilmung "Das Bildnis des Dorian Gray": Kostümparade ohne Regiekonzept

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 15.04.2010 - 08:52

(RP). Das Alter meißelt schon in jenen Jahren an uns herum, in denen wir uns noch jung fühlen. Das merken am ehesten jene liederlichen Gesellen, die sich dem Nachtleben und seinen diversen Verlockungen ergeben. So mancher Kater ist ein beängstigender Vorgucker auf die späteren Jahre, wenn die Federchen und Rädchen in uns nicht mehr so willig schnalzen und munter surren. Dorian Gray, eine von Oscar Wilde erfundene literarische Figur, ist ein früher Vertreter der Spaß- und Giergesellschaft, in der man alles mitnehmen will, was geht, aber keinen Preis dafür bezahlen möchte. Gray schließt einen furchtbaren okkulten Pakt, er verkauft seine Seele für die Gabe anhaltend kratzfester Jugend. Er bleibt, egal, wie er sich gehen lässt, ein Salonschönling frisch wie Milch und Erdbeercreme. Statt seiner altert auf scheußliche Weise ein Ölporträt, das ein verluderter Maler von ihm angefertigt hat.

Gewiss, das Motiv ist vom Kino mittlerweile ein paar Mal verwendet worden, und die Verfilmung durch Albert Lewin von 1945 ist ein sehenswerter Klassiker. Trotzdem wäre eine neue Adaption gewiss interessant, wenn die sich ein bisschen darum kümmern würde, wie man dem alten Stoff wohl Beunruhigungsqualitäten für das Publikum von heute einweben könnte. Oliver Parkers "Das Bildnis des Dorian Gray" aber ist eine ganz und gar überflüssige Kostümparade, bei der die einzige konzeptionelle Idee dem handwerklich machbaren galt: "Hey, wir könnten doch das Gruselporträt im Bildcomputer schön warzenfratzig und klauenreckend machen!"

Nein, seien wir fair: Ein bisschen mehr hat "Das Bildnis des Dorian Gray" schon zu bieten. Ein leicht blasiertes, ausstattungspingeliges Interesse an den Salons nämlich, in die der naive Dorian (Ben Barnes) gerät. Einen Moment scheint dies ein Anklagefilm zu werden, eine Entlarvung jener Doppelmoral, die zwischen verklemmter Freudlosigkeit und rücksichtsloser Enthemmung kein Mittelfeld der gelockerten Sitten kennen will. Aber so schlecht spielt Barnes den Dorian Gray, dass wir bald nicht mehr wissen, was in dieser Figur wohl vorgehen könnte. Und auch Colin Firth (der in "A Single Man" gerade zeigen darf, was er kann) steht ohne Regiekonzept ziemlich hilflos in der Gegend herum und bemüht sich, sinister jugendverderberisch durch Puffs und Marmorhallen zu stieren.

Im Vorwort zu "Das Bildnis des Dorian Gray" schrieb Oscar Wilde 1890: "Es gibt kein moralisches oder unmoralisches Buch. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts." Überträgt man das auf diesen Film, sieht man, dass es nicht stimmt. Der ist zwar schlecht inszeniert, aber aus purem Ungeschick auch noch hochmoralisch: Er bringt es nicht fertig, sich von der Idee zu lösen, dass Dorian ein gutes, reines, richtiges Leben mit heiteren Altersfältchen führen könnte, wenn er sich nur von falschen Freunden fernhielte.

Bewertung: 2 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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