Drama "Bon Appetit": Kumpel Nora Tschirner
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 25.11.2010 - 10:41(RP). Wenn ein Film in der Gastronomie spielt, kann man sich auf eines verlassen: Er ist mit Liebe gemacht worden. Das ist keine Selbstverständlichkeit angesichts gruseliger Enthüllungen über Ekel-Küchen. Doch die Kino-Köche sind Idealisten und lassen das Publikum an ihren Idealen teilhaben. Bemerkenswert an diesem Genre ist auch die soziale Genauigkeit: Filme über die Gastronomie behandeln fast immer die wirtschaftlichen Sorgen, den Kampf ums Überleben.
Bei "Bon Appetit" steht bereits nach wenigen Minuten fest, welches Problem das Zürcher Restaurant "Wackerle" zu bewältigen hat. Es ist ein Nobelrestaurant für die ganz Anspruchsvollen, die von weit her anreisen. Aber die Küche wirkt beengt und ärmlich, es arbeitet nicht mehr Personal als nötig. Die matten, kalten Farben erwecken den Eindruck, selbst am Licht müsse gespart werden. Der spanische Regisseur David Pinillos hat seine Geschichte im Winter angesiedelt, damit verstärkt er das Gefühl von Ungemütlichkeit und Einsamkeit und der damit verbundenen Suche nach Wärme.
Das Paar, das in dieser Welt zueinander findet, sind Daniel (Unax Ugalde) aus Bilbao und Hanna (Nora Tschirner) aus München. Daniel telefoniert ab und zu mit seiner Freundin, die nur nörgelt und von der er nicht möchte, dass sie ihm nachreist. Hanna scheint Single zu sein, bis klar wird, dass sie seit Jahren eine Affäre mit dem verheirateten Restaurantbesitzer Thomas (Herbert Knaup) hat. Mit anderen Worten: Daniel und Hanna sind gebunden, aber es ist an der Zeit, dass sie sich von ihren Partnern lösen.
Nora Tschirner verkörpert einmal mehr die Frau als Kumpel. Wenn sie im Laufe der Handlung schwanger wird, versteht man nicht von wem oder wovon, so keusch sind die Liebesszenen gestaltet worden. Schauspielerisch ist sie stärker gefordert als in den Til-Schweiger-Komödien "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken", und im Zusammenspiel mit ihrem spanischen Kollegen bringt sie eine Reife zum Ausdruck, die sie öfter zeigen sollte. Nur die Sinnlichkeit fehlt noch in ihrem Repertoire. Auch dem Film "Bon Appetit" fehlt eine Kleinigkeit. Trotz der Liebe zum Detail bleibt kein Bild so richtig haften. Ausflüge nach München und sogar Bilbao schaffen keine Abwechslung. Pinello ist ein Regisseur, der seine Figuren liebt, ohne einen passenden Rahmen für sie zu finden. Das muss nicht sein. In "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" hat Peter Greenaway einst bewiesen, dass man selbst in einer Speisekammer noch große Bilder erzeugen kann.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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