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Film-Kritik: Ladykillers: Ein fast perfektes Verbrechen

zuletzt aktualisiert: 26.07.2004 - 12:33

Er plant den ganzen großen Coup: Goldthwait Higginson Dorr will mit drei Komplizen den Tresor des örtlichen Casinos ausrauben. Um einen Tunnel bis in den Tresorraum buddeln zu können, mietet er sich in dem Haus einer alten Witwe, Mrs. Munson, ein - als Mitglied eines Musik-Ensembles. Mit der schwarzen Komödie "Ladykillers" unternimmt das berühmte Independent-Brüderpaar Joel und Ethan Coen nach "Ein unmöglicher Härtefall" erneut den Versuch, den Mainstream zu erobern.

Der Plan der Banditen ist bis ins letzte Detail ausgetüftelt. Dorr und seine Männer haben nur nicht damit gerechnet, dass ihnen die rüstige Rentnerin zunehmend auf die Schliche kommt. Wenn die illustre Fünferbande nicht im Kittchen landen will, müssen sie die arme Mrs. Munson beseitigen. Das allerdings gestaltet sich weit schwieriger als gedacht.

Die Regisseur-Brüder Coen bedienen sich diesmal bei den Motiven des gleichnamigen britischen Krimiklassikers von 1955. Damals schlüpfte Sir Alec Guinness in die Rolle des kriminellen Untermieters einer netten älteren Dame. In der Neuverfilmung übernimmt Tom Hanks diesen Part. Der zweifache Oscar-Preisträger bemüht sich redlich, einen ebenso aristokratisch steifen Gentleman zu mimen wie seinerzeit Guinness. Allein es bleibt beim Versuch. Der Amerikaner besticht mehr durch sein bizarres Äußeres mit Walrossbart und Haartolle als durch seinen Habitus. Ein Phänomen, das sich generell auf die Komödie übertragen lässt.

Die Optik dieser Coen-Schmunzette ist zwar wieder einmal top. Die amerikanische Südstaaten-Provinz, in der die Geschichte angesiedelt ist, wird wunderbar eingefangen. Der Mississippi und seine Boote, die im Verlauf des Films eine wichtige Rolle spielen, liefern zauberhafte Bilder.

Der Geschichte fehlt dafür inhaltliche Poesie. Wie schon "Ein unmöglicher Härtefall" braucht auch "Ladykillers" beinahe eine Stunde, um so richtig in Schwung zu kommen. Die bissigen Dialoge und der schwarze Humor, für den die Coen-Brüder spätestens seit ihrem Kultthriller "Fargo" (1995) international berüchtigt sind, kommt erst gegen Ende so richtig zum Tragen. Dann nämlich, wenn die falschen Musiker anfangen, ihrer Vermieterin nach dem Leben zu trachten.

Plötzlich gewinnt die sich dahinziehende Story an Tempo und Komik. Die Coens befinden sich in diesem schwarzen Abschnitt voll in ihrem Element. In ihren nächsten Werken sollte bei dem Brüderpaar deshalb dringend eine Rückbesinnung auf alte Stärken stattfinden: Etwas weniger erzwungener Mainstream und etwas mehr "Fargo" sollte künftig wieder das Motto sein.

Irma P. Hall fasziniert als köstliche Greisin

Das ist ihnen mit der Verlagerung der Handlung aus England ins provinzielle Milieu der Südstaaten durchaus gelungen. Und mit der köstlich-resoluten Irma P. Hall in der Rolle von Mrs. Munson hat der Film eine charismatische Figur, die fünf zu einer kriminellen Großtat entschlossene Männer in äußerste Bedrängnis bringt. Unter diesen Ganoven, die kein gutes Ende nehmen, sind Tzi Ma als grimmiger vietnamesischer General und J.K. Simmons als extrovertierter Sprengstoffexperte besonders hervorzuheben.

Doch sind eigentlich alle Rollen einschließlich der Katze namens Pickles exzellent besetzt. Atmosphärisch dicht ins Bild werden die Schauplätze in den Südstaaten gerückt, dazu gibt die originelle Mischung aus Gospel, Hip-Hop und barocker Kammermusik dem Film Schwung.

In den USA war "Ladykillers" trotz Tom Hanks kein großer Erfolg. Offenbar war der Film dem jugendlichen Publikum etwas zu altbacken geraten. Aber gerade das macht den Charme dieser schwarzen Gangsterkomödie aus, in der im Schlussteil etwas zu sehr aufs Tempo gedrückt wird, um sich all der Ganoven zu erledigen. Danach jedoch fließt der Mississippi träge und breit weiter. Und der Besucher hat zwei vergnügliche Kinostunden gehabt.

Trotz Tom Hanks war "Ladykillers" kein großer Erfolg in den USA.  Foto: RPO
Trotz Tom Hanks war "Ladykillers" kein großer Erfolg in den USA. Foto: RPO

 
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