Kino-Kritik: Leben nach Contergan
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 11.09.2008 - 09:41Düsseldorf (RP). Was soll der Pförtner jetzt machen? Was soll die PR-Abteilung bloß raten? Was soll die Firmenleitung entscheiden? Der Fotograf und Filmemacher Niko von Glasow steht vor den Toren des Pharmaherstellers Grünenthal in Aachen und möchte ein Geschenk überreichen. Das Ganze wird von einer Kamera für den Film „NoBody‘s Perfect“ beobachtet.
Dies ist ein Michael-Moore- Moment, der Versuch, die nach oben Entrückten mit denen weiter unten zu konfrontieren. Niko von Glasow ist contergangeschädigt. Die Firma Grünenthal hat dieses Schmerzmittel einst auf den Markt gebracht, das sich als verheerendes Beispiel mangelnder Vorkontrolle erweisen sollte.
Bei Einnahme während der Schwangerschaft konnte es zu starken Schädigungen des werdenden Lebens führen. Die Kinder kamen mit verkümmerten Armen und Beinen auf die Welt. „Flossen“, sagen die Betroffenen in Glasows Film manchmal.
Von allen möglichen Grüppchen und Projekten kennt man das Muster mittlerweile: Wer Geld oder Aufmerksamkeit sammeln will, posiert für einen Aktkalender. Was bei den Landfrauen in „Calendar Girls“ putzig wirkte, kommt manchem Zeitgenossen bei Conterganmodellen ungehörig vor.
Glasow weiß das genau und hat darum Contergangeschädigte zu solch einem Kalenderprojekt eingeladen. Er will Entkrampfung bei den anderen, aber auch neuen Stolz bei den Porträtierten erzwingen.
„NoBody‘s Perfect“ zeigt die Arbeit am Kalender, stellt die Fotografierten vor. Das wird nie langweilig, aber Glasow schafft es auch nicht immer, uns die Leben dieser Menschen halbwegs vorstellbar zu machen.
Wie erfolgreich etwa ist der Anwalt, der offenbar in einer Sozialsiedlung seine Heimkanzlei hat? Glasow lässt da eventuell Takt walten, will keine Problemgeschichten erzählen. Er will lieber Grünenthal ein Problem bereiten, indem er ihnen die fertigen Großabzüge als Kunst für die Chefetage schenkt.
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