kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

"J. Edgar" kommt ins Kino: Leonardo DiCaprio spielt FBI-Chef

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 18.01.2012 - 02:30

Düsseldorf (RP). In dem Film "J. Edgar" porträtiert Clint Eastwood den FBI-Direktor J. Edgar Hoover, der die Bundespolizei-Behörde 50 Jahre leitete. Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio gelingt eine fesselnde Charakterstudie, doch beschäftigt sich der Film wenig damit, wie das FBI Amerika verändert hat.



J. EDGAR mit Leonardo DiCaprio

Als erstes lässt J. Edgar Hoover seine neuen Mitarbeiter antreten wie Schuljungen. Auf dem Flur müssen sie sich zum Spalier aufstellen. Dann schreitet der neue Chef der amerikanischen Bundespolizei-Behörde an seinen Männern vorbei, begutachtet deren Anzüge, Schnäuzer, Frisuren. Vor einem bleibt er stehen. Der Mann ist modisch gekleidet, wagt dann noch einen Scherz, schon ist er entlassen. Hoover verlangt Konservatismus in Gesinnung wie Kleidung und absolute Loyalität. Endlich ist er Chef einer Behörde. Jetzt will er sich einen Kader schmieden, Amerika von den Kommunisten befreien. Es ist das Jahr 1924. Für Hoover ist es an der Zeit, eine moderne, schlagkräftige Polizeitruppe für die gesamten USA zu installieren. Es ist Zeit für das FBI.

Clint Eastwood liebt Geschichten, die von starken Charakteren handeln, von harten Männern, die noch von Gut und Böse, von Moral und Sünde sprechen und Zimperlichkeit verachten. Er kann solche Typen selbst grandios spielen. Das hat er in jungen Jahren als "Dirty Harry" und im Alter als Boxtrainer in "Million Dollar Baby" oder als knurriger Veteran in "Gran Torino" bewiesen. Doch diese Vorstellung sollte die letzte des Schauspielers Eastwood sein. Seit 2008 führt er nur noch Regie und hat sich jetzt die Lebensgeschichte des berüchtigten FBI-Chefs vorgenommen. Solche Typen inszenieren kann Eastwood auch.

J. Edgar Hoover hat die amerikanische Bundespolizei 1924 übernommen und aus der gerade einmal 650 Mann starken Abteilung eine mächtige Ermittlungsbehörde gemacht, die sich moderner Methoden wie der zentralen Erfassung von Fingerabdrücken bediente. Zugleich ließ Hoover über hohe Persönlichkeiten im eigenen Staat Informationen sammeln, die er für die eigenen politischen Zwecke nutzte. Mit seinen gefürchteten Geheimdossiers soll er bis hinauf zum Präsidenten Druck ausgeübt und den Ausbau seiner Behörde vorangetrieben haben. Auch deswegen konnte er sich wohl unglaubliche 48 Jahre im Amt halten. Acht US-Präsidenten von Calvin Coolidge bis Richard Nixon hat er überdauert.

Nun ist ein solcher Lebenslauf beeindruckend, und man kann darin Zeitgeschichte abspulen von den Massenverhaftungen amerikanischer Kommunisten in den 1920er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zur Bürgerrechtsbewegung. Doch Biopics sind in Hollywood so erfolgreich, weil sie Zeitgeschichte mit Psychologie verbinden, mit menschlichen Motiven und Emotionen. Und so macht sich auch Eastwood daran, den enormen Eifer des Machtmenschen Hoover zu ergründen und nach den Brüchen in seiner Karriere wie in seinem Charakter zu suchen. Und er hat mit Leonardo DiCaprio einen Darsteller, mit dem er das kann.

DiCaprio zeigt Hoover als einen brillanten, aber zutiefst unsicheren jungen Mann mit dominanter Mutter. Die streicht ihrem Sohn schon als Kind über den Kopf und sagt: "Du wirst der mächtigste Mann Amerikas werden." Dieser Anspruch begleitet Hoover wie ein Fluch. Es ist DiCaprios Leistung, aus seiner Figur trotzdem kein jämmerliches Muttersöhnchen zu machen, sondern einen seltsam selbstsicher auftretenden Mann mit stillem Größenwahn. Dieser Hoover musste sich sein Selbstvertrauen so hart erkämpfen, dass er das rechte Maß schon früh verlor. DiCaprio zeigt den Typus des gedemütigten Außenseiterkindes, dem keine andere Wahl bleibt, als ein harter Hund zu werden. Und er zeigt das erstaunlicherweise in der Art, wie er den erwachsenen Hoover spielt.

Außerdem greift der Film Gerüchte über die Homosexualität Hoovers auf, der immer bei der Mutter lebte, nie heiratete und einen Assistenten hatte, der ihn ein Leben lang begleitete. Die Spannung zwischen konservativer Überzeugung, Rigorismus in moralischen Fragen und Neigungen, die dem eigenen Weltbild widersprechen, ist auch die Spannung dieses Films. DiCaprio kann sie über eine lange Lebensspanne halten. Schade nur, dass Hollywoods Maskenbildner nicht auf seine schauspielerischen Qualitäten vertraut haben. Dann hätten sie ihn und Armie Hammer als seinem Gefährten im Alter nicht mit derart runzligen, graubestaubten Kunstmienen verunstalten müssen.

Schade auch, dass Eastwood zwar sehr viel Verständnis aufbringt für den unerbittlichen FBI-Mann und eine fesselnde Charakterstudie vorlegt, aber keine gefühligen Bilder für dessen Opfer übrig hat. Da taucht mal in einem Gerichtssaal Emma Goldman auf, eine Anarchistin und Friedensaktivistin, die Hoover ausbürgern ließ. Doch das ist nur eine herrische Frau mit schmalen Lippen, die kaum Mitgefühl weckt.

Eastwood stellt keine Fragen danach, wie Hoover Amerika durch die verbissene Perfektionierung seiner Bürgerüberwachungs-Techniken verändert hat. In den USA setzte sich nach Hoovers Tod ein negatives Bild des FBI-Chefs durch, weil er eben nicht nur die Sicherheit seines Landes im Blick hatte, sondern den Erhalt seiner Behörde auch als Selbstzweck betrieb. Mit allen Mitteln.

Davon erzählt Eastwood zwar, doch mit einem latenten Ton der Bewunderung, von Haudegen zu Haudegen. Dirty Harry hätte dieses Biopic sicher gefallen.

Quelle: RP


Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Anke Engelke: "Europa beobachtet Dich"

Politische Punktevergabe beim Eurovision Song Contest

Anke Engelke: "Europa beobachtet Dich"

Als einziges Land hat Deutschland die ESC-Punktevergabe für einen politischen Seitenhieb auf Aserbaidschan genutzt. Anke Engelke fand live v ... mehr 

Das sagt das Netz zum ESC

Eurovision Song Contest in Baku

Das sagt das Netz zum ESC

Der Eurovision Song Contest beherrschte am Samstagabend auch das Netz: Beim Kurznachrichtendienst Twitter rangierte das Stichwort "Eurovisio ... mehr 

mehr Kultur
Aus der Region

Politische Punktevergabe beim Eurovision Song Contest

Anke Engelke: "Europa beobachtet Dich"

Eurovision Song Contest in Baku

Das sagt das Netz zum ESC

Nach heftigen Protesten in Indonesien

Lady Gaga sagt Konzert in Indonesien ab

Eurovision Song Contest

Das war der Schmu aus Baku

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Gefangen im Monster-Stau von Peking

In Chinas Hauptstadt gibt es nicht nur viele Menschen, sondern auch ziemlich viele Autos. Kein Wunder also, dass es dort immer wieder zu ... mehr 

Mehr Nachrichten aus Kultur Film
Film Review Men In Black 3

Dritter Teil im Kino

"Men in Black" sind wieder in Form

Im dritten Teil der erfolgreichen Actionfilm-Serie gehen die Helden Will Smith und Tommy Lee Jones auf Zeitreise. Die Kampfszenen sind irrwitzig wie eh und je, diesmal dürfen die Hauptfiguren aber auch richtige Charaktere werden. Eine gelungene ... VON SEBASTIAN SCHERER  mehr

 
 

"Moonrise Kingdom" neu im Kino

Wo die Neurosen blühen

 

Internationale Filmfestspiele in Cannes

Drei starke Frauen, eine schwache Hose

 

Internationale Filmfestspiele in Cannes

Das doppelte Brad Pittchen

 
Top-Services
Möbel aus Turngeräten
Möbel aus Turngeräten
Die Möbel der Firma "Zur schönen Linde" sind .. mehr 
 
Möbel aus Turngeräten
Möbel aus Turngeräten
Die Möbel der Firma "Zur schönen Linde" sind ..
mehr 
Roman Lob überzeugt mit schlichten Gesten
Roman Lob überzeugt mit schlichten Gesten
Wie schon Lena vor ihm überzeugte Roman Lob ..
mehr 
ESC 2012: Die zauberhaften Momente der Künstler
ESC 2012: Die zauberhaften Momente der Künstler
Der Eurovision Song Contest 2012 wurde von den ..
mehr 
Eindrücke vom Wave-Gotik-Festival in Leipzig
Eindrücke vom Wave-Gotik-Festival in Leipzig
Das Wave-Gotik-Festival in Leipzig ist ein ..
mehr 
ESC 2012: Lenas seltsames Outfit
ESC 2012: Lenas seltsames Outfit
Beim zweiten Halbfinale des Eurovision Song ..
mehr 
ESC 2012 in Baku: Das sind die Platzierungen
ESC 2012 in Baku: Das sind die Platzierungen
Schweden darf den Eurovision Song Contest 2013 ..
mehr 
Eine Schlangenfrau auf dem Roten Teppich
Eine Schlangenfrau auf dem Roten Teppich
Eine Schlangenfrau auf dem Roten Teppich
mehr