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"Liebe auf den ersten Schlag" im Kino
Liebe im Tarnanzug

"Liebe auf den ersten Schlag": Liebe im Tarnanzug
FOTO: dpa, sab
Manchmal führt die Liebe Gegensätze zueinander. Madeleine jedenfalls ist eine Kämpfernatur. Ein junges Mädchen, das mit Ziegelsteinen im Rucksack durch den Swimming-Pool der Eltern taucht, um sich abzuhärten. Das Ende der Welt könnte ja kurz bevorstehen und dafür will Madeleine (Adèle Haenel) gerüstet sein, vor allem körperlich. Von Dorothee Krings

Arnaud hingegen ist ein sanfter Typ. Zwar interessiert auch er sich fürs Paramilitärische, aber er rettet auch Frettchen vor dem Ertrinken und päppelt sie hoch. Und daheim steht er auch eher in der zweiten Reihe. Der Vater ist gestorben, der ältere Bruder hat die Gartenhaus-Baufirma übernommen, Arnaud (Kévin Azaïs) ist der Handlanger. Bei einem Ringkampf am Strand begegnen Madeleine und Arnaud einander zufällig. Das Mädchen geht als Sieger aus dem Kampf hervor, doch in der schüchternen Liebesgeschichte, die sich bald entspinnt, wird sich zeigen, wie viel Kraft die Sanftmütigen besitzen.

"Liebe auf den ersten Schlag" ist eine dieser französischen Romanzen, deren Verlauf ziemlich absehbar ist, die aber wegen ihrer Stimmung und Darsteller doch für sich einnimmt. Madeleine wirkt wie die realistische Antwort auf die neuen Superheldinnen wie Jennifer Lawrence, die sich hypertapfer durch tödliche Abenteuer wie die Hunger Games schlägt. Auch Madeleine will keine Angst zeigen, will mit dem Messer zwischen den Zähnen in der Wildnis überleben. Aber sie zieht eben nicht los in die Kulissenwelt Hollywoods, sondern in einen Wald in Frankreich, in dem der Asphalt der rettenden Straße nicht furchtbar weit entfernt ist.

Die Geschichte des ungleichen Paares, das sich in Überlebensspiele stürzt und fast darin umkommt, hat auch märchenhafte Züge. Wie Hänsel und Gretel ziehen die beiden in den Wald, bauen sich eine Hütte, halten sich aneinander fest. Bis es in der Wildnis gefährlich wird, ironischerweise, weil die Zivilisation in sie einbricht. Aus dem naiven Abenteuer wird tatsächlich ein Überlebenskampf. weil es auch im wirklichen Leben manchmal gefährlich werden kann.

Der Film versagt sich an dieser Stelle manchen Kitsch, behält seinen empathischen Ton. Diese Leichtigkeit macht diese Romanze so sympathisch.

Quelle: RP
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