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Film-Kritik: Liebe lieber indisch: Bussis in Bollywood

zuletzt aktualisiert: 15.08.2005 - 11:06

Die größte Film-Industrie der Welt, Indien, ist heute in aller Munde und auf den Leinwänden weltweit. Die sanften und zeitweilig immer auch dramatischen Liebesgeschichten werden überall verstanden, und manchmal erzählen sie auch ganz alte Dramen - wie das urbritische "Stolz und Vorurteil" der Autorin Jane Austen. Verpflanzt nach Bollywood, entfaltet es im Film "Liebe lieber indisch" einen ganz eigenen Charme.

Nicht nur weil Austens zeitgenössische Prüderie sich auf dortige Sitten übertragen lässt, funktioniert dieser Transfer ganz gut: statt des trüben Englands ist der Schauplatz nun die alte indische Stadt Amritsar. Also gibt es immer noch keinen Sex, aber zumindest gutes Wetter. Aus der Familie Bennet wurde die Familie Bakshi, ehrbar, aber nicht sehr wohlhabend, wohnhaft in einem pittoresk verfallenden Villa und gestraft mit vier Töchtern, die unter die Haube gebracht werden müssen. Auf diversen Bällen preist die hysterische, dicke Mama die vier Schönheiten an wie sauer Bier. Das findet William Darcy, der aus den USA mit seinem indischen Freund Balraj zu Besuch kommt, ziemlich penetrant.

Und durch seine arroganten Bemerkungen über indische Rückständigkeit bekommt der Ami sofort Ärger mit der eigenwilligen Lalita, eine stolze Verteidigerin heimischer Tradition. Doch weil Balraj zarte Bande zu Lalitas älterer Schwester knüpft, treffen sich die beiden Streithähne bei Familienfesten von Amritsar bis Los Angeles immer wieder. Dazwischen tauchen weitere Bewerber auf wie der peinliche Mr. Kholi, ein amerikanischer Inder auf Brautschau in der Heimat. Statt über die englische Kastengesellschaft wie zu Austens Zeiten macht sich diese Komödie über die neureiche indische Diaspora und ihre Importbräute lustig: Auslandsinder wollen brave, einheimische Inderinnen, diese wollen solvente Ehemänner.

Eine ehemalige Miss World als Augenweide

Wie im typischen Bollywood-Musical brechen auch in dieser leicht selbstironischen Variante alle Beteiligten beim geringsten Vorwand in Tanz und Gesang aus, wobei keine kulturellen Berühungsängste herrschen. Und so schwooft man nicht nur auf Bällen, in den Gassen von Amritsar und am Strand von Goa, sondern auch am kalifornischen Strand. Die bewegte west-östliche Mischung mit ihrem fliegenden Kostümwechsel zwischen prächtigen Saris und Designerjeans ist allerdings fürs Westpublikum aufbereitet und dauert statt wie üblich drei Stunden nur schlappe 110 Minuten.

Eine Augenweide ist besonders der indische Superstar Ayeshwarya Rai, eine ehemalige Miss World, die amerikanische Kritiker nicht nur als die schönste, sondern auch zweitschönste Frau der Welt bezeichnen - obwohl diese Diva mit den großen grünen Augen fürs hiesige Schönheitsideal ein wenig pummelig ist. Angesichts des faden Millionärssohns Darcy wirkt Lalita geradezu majestätisch, was zum Problem wird für die Glaubwürdigkeit dieser Liebesgeschichte. Und wo Ehen traditionell arrangiert werden, sind romantische Komödien, in denen Geld stets Hand in Hand mit Liebe daherkommt, vielleicht das Bonbon, um die harte Realität erträglicher zu machen.

Hierzulande aber, wo Frauen zumindest theoretisch zur eigenen Versorgung und freien Wahl des Ehemanns in der Lage sind, hat dieser tröstliche Kitsch spätestens seit den Sechzigern einen reaktionären Beigeschmack. So ganz kann Chadha also die Balance zwischen Parodie und Ernst nicht gelingen: Wenn die Mädels nach zunächst erfolgloser Balz zuhause wie Ladenhüter herumhocken und müssig-melancholisch auf den erlösenden Anruf warten, dann wirkt ihr tief empfundener Herzschmerz ein klein bißchen doof. Aber das Schmachten, das können sie so gut wie sonst niemand.

Quelle: ap

 
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